Print_Radek Knapp - Papiertiger

Auch Verlierer gewinnen manchmal

Wenn einer so gar nichts kann und auch keinerlei Ambitionen hat, dann kommt er immer als Hochstapler durch - oder als erfolgreicher Buchautor. Zumindest in diesem Roman.    12.05.2003

Walerian Gugania, Radek Knapps Protagonist mit dem unmöglichen Namen, ist ein Antiheld, wie er im Buche steht. Mit 30 hat er noch nichts Großartiges vollbracht - weder Kind gezeugt noch Baum gepflanzt. Was noch schlimmer wiegt: Er will es gar nicht anders, ist eine Art wandelnder Negierung gesellschaftlicher Erwartungen. Anstatt mit anständigen Berufen für tüchtige Menschen verdient er sich seinen Lebensunterhalt mit typischen Mac-Jobs, füttert die Affen im Zoo oder verteilt Geschenke als frierender Weihnachtsengel - die warmen Santa-Claus-Kostüme der Firma "Schenken von Oben" waren leider schon vergeben. Zum Zeitvertreib bewirbt er sich dann und wann als erfolgreicher Hochstapler für eine Stelle, für die er keinesfalls geeignet ist. Anschließend lehnt er dann, beispielsweise in der Rolle eines hoffnungvollen Molekularbiologen, die Stelle am Gen-Institut aus moralischen Gründen lässig ab. Aber auch einen so beharrlich Erfolglosen holt der Erfolg irgendwann ein - bei diesen Voraussetzungen natürlich als Autor. Aber wie wir wissen, sind Geld und Groupies nicht alles...

Radek Knapps Erfolg als Autor beruht auf zweierlei: Zum einen schafft er wunderbare Identifikationsfiguren der heutigen Zeit, zum anderen lädt sein unangestrengter, witziger Stil geradezu zum Schmökern ein.

Reinhard Ebner

Radek Knapp - Papiertiger

ØØØØ


Piper-Verlag (München 2003)

 

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