Print_William Gaddis - Das mechanische Klavier

Publikumsbeschimpfung

In dem posthum erschienenen Werk erzählt William Gaddis von der chaotischen Planung eines Buches, das - dies ist dem Leser ebenso wie dem Erzähler klar - nie geschrieben werden wird.    24.03.2003

In seinem letzten, posthum erschienenen Werk nimmt sich William Gaddis kein Blatt vor den Mund: "Die verblödete, hirnlose Masse, die sogenannte Öffentlichkeit, sie will es ja so. Sie will unterhalten werden und macht deshalb aus dem Künstler einen Entertainer oder einen Berufsprominenten." Das sind Beschimpfungsorgien, die einen glauben machen, man hätte es mit einer Reinkarnation Thomas Bernhards zu tun. So erstaunt es denn auch nicht, wenn Gaddis dem österreichischen Dichter vorwirft, ihm seine noch ungeschriebenen Bücher zu klauen.

"Das mechanische Klavier" erzählt von der chaotischen Planung eines letzten Buches, das - dies ist dem Leser ebenso wie dem todkranken Erzähler klar - nie geschrieben werden wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Erfindung des Pianolas; für Gaddis eine Chiffre für den Untergang der Kultur zugunsten einer automatisierten Unterhaltungsmaschinerie. Gleichzeitig stellt das Buch eine Art Nachlaß dar, in dem sich das geistige Erbe mit Überlegungen vermischt, wie das angesammelte Vermögen aufzuteilen sei. Erzählt wird dabei die berührende Geschichte des Scheiterns am großen Werk, das von der Hinfälligkeit des Körpers verhindert wird. Ein ultimatives Scheitern, hinter dem letztlich der Tod steht - der des Erzählers wie der des Autors.

 

Reinhard Ebner

William Gaddis - Das mechanischer Klavier

ØØØ

(Agape, Agape)


Manhattan bei Goldmann (München 2003)

 

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