Stories_Bastard-Pop/Teil 5

Clash of the Titans

Wer dem Bombardement schnulziger Weihnachtslieder entgehen will, dem bietet Micky Maaaas genau das richtige Mash-up-Material - zum Download und bleibenden Genuß.
   19.12.2005

Jetzt hat es sicherlich jeder schon mitbekommen: Weihnachten steht unmittelbar vor der Türe.

Mancher mag das schon im frühen September bemerkt haben, als die ersten Supermärkte neben diversem Halloween-Schnickschnack bereits Nikolaus und Krampus aus Schokolade in den Regalen plaziert hatten. Andere wiederum wurden erst Mitte November auf das furchtbare Fest aufmerksam, als quasi jeder öffentliche Platz mit Holzhütten vollgepflastert wurde, die neben kitschigem Weihnachtsschmuck vor allem Kulinarisches und im besonderen hochprozentige Heißgetränke anbieten.

Der Liebhaber populärer Musik jedoch bemerkt die untrügliche Nähe von Weihnachten vor allem durch die aktuellen Platten(neu)erscheinungen: Vorweihnachtszeit ist gleich "Greatest Hits"-Zeit.

Obwohl es noch immer einige Musiker wagen, neues Material in die Verkaufsschlacht zu werfen (siehe Robbie Williams, Madonna oder Carlos Santana) dominieren in den letzten acht Wochen eines Jahres vor allem Compilations, Charts-Kollektionen und ähnliches die Verkaufs-Charts. 2005 werden wir da unter anderem von Destiny’s Child, Eurythmics, Prodigy, Bryan Adams, Anastacia, Take That, Alanis Morrisette, Bob Geldof, Dire Straits, Johnny Cash, Blink 182, Supertramp, Mariah Carey, Beastie Boys, Die Toten Hosen und Cyndi Lauper beglückt, wobei die beiden letzteren bekanntes Material wenigstens unplugged oder akustisch zur Vorführung bringen.

Aber auch die Underground-Remixer-Szene wirft zum feiertäglichen Anlaß tolles Material auf den Markt beziehungsweise ins Netz. Während sich Popstars in ihren aktuellen Produktionen immer öfter der Idee des Bastard-Pop bedienen (Madonna - "Hung Up"), haben die eigentlichen Künstler dieser Szene in den vergangenen Wochen einige beachtenswerte Komplettalben produziert. Und wie es unter Bastard-Poppern & Mash-up-Artists üblich ist, stehen die Werke kostenlos im Internet zum Download bereit:

 

Q-Unit: Greatest Hits

 

Q-Unit ist Programm. Nicht nur der Titel, in dem das G aus 50 Cents Rap Collective G-Unit durch den Anfangsbuchstaben der Rockgruppe Queen ersetzt wurde, steht für die zugrundeliegende Idee. Das komplette Konzeptalbum ist eine Mischung aus den Vocals des derzeit erfolgreichsten Rappers und den Original-Tracks der legendären englischen Rockband. Nur an wenigen Stellen kommt noch die Stimme von Freddie Mercury oder David Bowie (auf "Under Pressure All The Time") zum Einsatz.

Die beiden 25 jährigen DJs Johnny & Jimmy Lesondak (aka The Silence Xperiment) aus Turlock (Kalifornien) haben die Original-Instrumentalspuren der Queen-Songs beatgenau bearbeitet, sodaß die Vocal-Spuren von 50 Cents besten Tracks wie angegossen darüber passen.

Technisch eine nicht allzu schwere Aufgabe: 50 Cent hat über sein Label sämtliche Vocal-Tracks kostenlos ins Netz gestellt, während die Original-Instrumentalspuren der Queen-Nummern irgendwann auf japanischen Karaoke-CDs auftauchten und seither zwischen Remixern & Bastard-Poppern wild im Netz getauscht werden.

Als Weihnachtsgeschenk für Queen-Fans nicht unbedingt zu empfehlen, aber als Überraschung unter dem Tannenbaum auf jeden Fall geeignet.

 

The Ciccones: The Immaculate Concoction

 

Die Dame, deren ABBA-Mash-up zur Zeit die meisten Charts anführt, heißt im richtigen Leben ja Madonna Louise Veronica Ciccone. Ihre erste "Greatest Hits"-Compilation kam (natürlich vor Weihnachten) 1990 unter dem Namen "The Immaculate Collection" heraus. Also kann es sich bei diesem Titel nur um ein Madonna-Mash-up-Album handeln.

Jawoll, und was für eines: Genau wie auf dem aktuellen Madonna-Tonträger sind hier die Tracks als Megamix ineinander gekoppelt, das Album kommt ohne Pausen aus. Teilweise sind die einzelnen Nummern durch Interviews oder Samples verbunden. Im Gegensatz zum Q-Unit-Album wurden die Original-Instrumentalspuren nicht bearbeitet. Auch wurde Madonna hier nach beiden Seiten verwurstet. In manchen Fällen basiert ein Track auf Madonna-Musik, über die ein anderer Künstler einen anderen Song singt: Tears for Fears intonieren "Shout" über den Rhythmus von "Justify My Love", und die Comic-Figuren der Gorillaz singen "Feel Good Inc" über die Musik von "Papa Don´t Preach".

Andererseits singt Madonna auch über das Instrumental eines fremden Songs: "Ray of Light" ertönt hier über Eddy Grants "Electric Avenue" oder "Secret" über Frankie Goes To Hollywoods Gay-Bar-Klassiker "Relax".

Das Zuckerl dieser hervorragenden Mash-up-Sammlung ist jedoch die letzte und aktuellste Nummer. Hinter dem Titel "Communication" verbirgt sich ein Meisterwerk, das jeden Diskothekenbesucher aus den Socken werfen dürfte: Michael Jackson singt "Beat It" über das ohnehin schon gemashte "Hung Up" von Frau Ciccone/Ritchie. Auf knapp sechs Minuten sind hier die Meister des rythmischen Popsongs - ABBA, Madonna und Michael Jackson - vereint.

 

Bastard Pet Sounds

 

Obwohl unsere Berge gerade im Winter sowas von Touristenmagneten sind, zieht es immer mehr Österreicher in sonnigere und wärmere Urlaubsgegenden. Für genau diese Menschen dürfte "Bastard Pet Sounds" der richtige Begleiter durch die kalte Jahreszeit sein.

Mit "Pet Sounds" schufen die kalifornischen Strandbuben um Brian Wilson das wohl größte Pop-Album aller Zeiten. Für Hardcore-Beach-Boy-Fans ist das wohl der größte Affront aller Zeiten - doch der französische Remixer ToTom hat ihre Lieblingsmusik ungeniert zu einem wunderbaren Konzeptalbum zusammengefügt.

Jeder einzelne Track des Originalalbums wurde mit einem zweiten Titel aus 30 Jahren Rockgeschichte zusammengefügt. Von den Beatles über Led Zeppelin, Radiohead und Snoop Dogg bis zu M83 wurde niemand ausgelassen, um ein interessantes Stück Bastard-Pop-Geschichte zu schreiben.

Die Höhepunkte auf "Bastard Pet Sounds" sind die Verschmelzungen von Yann Tiersens Walzer aus dem Film "Die fabelhafte Welt der Amelie" mit der Beach-Boys-Nummer "Don´t Talk" und der Titel "In the Dead Sloop": California trifft Arizona, wenn die Strandbuben "Sloop John B." im Duett mit Iggy Pop über "In The Deadcar" aus dem Film "Arizona Dreams" brillieren.

 

Beastie Boys Remix Album

 

Auch die Beastie Boys haben es den Bootleggern & Remixern einfach gemacht: Aus Sympathie zur wachsenden Szene stellten sie einfach ihre A-cappella-Tracks auf der eigenen Seite zum Download bereit. Die neue Online-Plattform "www.djmixcontest.com" startete daraufhin sofort ein Projekt, aus dem schlußendlich ein Doppelalbum wurde.

Alle 35 Remixe stehen kostenlos zum Download bereit und bringen unserem Herz ein wenig schönen Lärm in der sonst so ungut unruhigen Vorweihnachtszeit. Bei einem derartigen Ausstoß an qualitativ guten Mash-up-Konzeptalben darf Weihnachten in Zukunft gerne öfter kommen.

Micky Maaaas

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