Stories_r.evolver - Pol Pot Polka, Kapitel 01

Jägerin der Apokalypse

Noch eine Woche bis zum Erscheinen des neuen Kay-Blanchard-Romans "Pol Pot Polka"! Doch den Anfang können Sie bereits hier und jetzt im EVOLVER lesen. Was bisher (im Prolog) geschah: Kay angelt sich in Garmisch-Partenkirchen einen Skilehrer - natürlich fürs Bett. Daß der Typ ein Gestapo-Agent ist und ihr einen wichtigen Datenträger aus dem Höschen stiehlt, verpatzt ihr nicht nur einen wichtigen Auftrag, sondern beschert Kay auch ein paar Wochen Reha. Und gleich danach beordert sie der MI6-Chef zur nächsten ultragefährlichen Mission - komplett mit Amnesie und verwesenden Golf-Zombies.    17.06.2013

Bond war gestern. Jetzt kommt Kay Blanchard. Lernen Sie endlich die außergewöhnlichste Agentin des britischen Geheimdienstes kennen und staunen Sie darüber, wie schlagkräftig unsere Heldin in höchster Gefahr agiert. Und das ist noch nicht alles: Gemeinsam mit Kay dürfen Sie ins mutierte Antlitz der monströsesten Golfer der Welt blicken und nebenbei sogar Musik hören. Legen Sie zum ersten Kapitel dieses wahnwitzigen Abenteuers unbedingt "Circles" von The Who auf den Plattenteller!

 

 

Rrrring! Rrrring! Rrrring! Das penetrante Klingeln schwoll in meinem Kopf zum Soundtrack des Grauens an. Rrrring! Ich versuchte den Wahnsinn zu stoppen. Rrrring! Tja, das war´s dann ...

 

Der totale Systemausfall in meinem Schädel mußte durch ein ziemlich massives Ereignis hervorgerufen worden sein. Im günstigsten Fall hatte mich ein kapitaler Schlag auf den Hinterkopf lahmgelegt, im ungünstigsten ein Projektil. He, war ich etwa tot?! Aber wo war dann der berühmte Tunnel, das Licht, der Sixpack-Petrus an der Himmelspforte?

Sssssuuup! Kosmische Lichter rasten auf mich zu. Die Urgewalt des Universums katapultierte mich zu den Partikeln, mit denen alles begonnen hatte. Ja, sehr schön - aber das half meinem Gedächtnis auch nicht auf die Sprünge. Es folgten Blitzlichter aus dem Leben einer Agentin ihrer Majestät: London, die Zentrale in Legoland, mein Vorgesetzter Sir Georg Wolff, in den ich gar nicht so insgeheim verliebt war, wilde Sex- und Drogenpartys - hoppla, hatte mich etwa mein letzter Trip eingeholt? Die weiteren Ereignisse gaben keinen Aufschluß über die Fragestellung. Sie gestalteten sich vielmehr wie eine Art "Was bisher geschah".

Mit ungeheurer Geschwindigkeit jagte ich durch die Zeit. Ich rammte Quastenflosser, Dinosaurier, Cro-Magnon-Menschen und fetzte über die weltpolitischen Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte dahin, als säße ich in einem intergalaktischen Abfangjäger. Ich konnte beobachten, wie die Lifestyle-Nazis der NSDAP 3.0 ganz Europa überrollten, wie sie Amerika und Südafrika unterwanderten und in den neuen Tigerstaaten Asiens ihre Marionettenregimes errichteten.

Mein temporaler Wettlauf fand ein jähes Ende. Wie bei einem kaputten Röhrenfernseher löste sich die düstere Szene plötzlich in flimmernde Halbzeilen auf. Ein schrilles Geräusch weckte mich endgültig aus dem Alptraum. Schön, doch nicht tot zu sein, und schön, wieder in die Realität zurückzukehren, die sich allerdings ruhig von einer verheißungsvolleren Seite hätte zeigen können.

Statt in einem sauberen Krankenhausbett in Chelsea lag ich auf einer regennassen Straße, die von mehrstöckigen Backsteingebäuden gesäumt war. Wo war ich? Warum trug ich einen sauteuren Gucci-Fetzen, den ich mir bei meinem Minus am Konto doch niemals leisten hätte können? Und noch einmal: Was war passiert?

Ich blickte mich um, aber viel konnte ich nicht sehen. Es war Nacht und eigentlich kein Mensch da. Dafür bewegte sich etwas entfernt Menschenähnliches auf mich zu, und das gleich in mehrfacher Ausführung. Zwischen dichten Nebelschwaden wurden langsam dunkle Silhouetten sichtbar. Der Klang ihrer schlurfenden Schritte mischte sich mit beunruhigenden, grunzend-stöhnenden Urlauten. Als ich mich aufrichtete, registrierte ich leicht nervös, daß mich die Gestalten bereits umringt hatten. Im matten Licht einer einsamen Galgenlaterne schimmerte das ganze Ausmaß ihrer Abscheulichkeit. Faulige Haut hing in fleischigen Fetzen von bleichen Gebeinen. Zumindest war das mein erster Gedanke. Als ich näher hinsah, bemerkte ich, daß die hellen Stellen gar keine Knochen waren, sondern unzählige fette weiße Maden, die in den Wunden ihr Hors d´œuvre einnahmen. Bon appétit! Die abgemagerten Wirtskörper des Ungeziefers starrten mich nur an. Regungslos. Ihre Augen hatten eine ungesunde gelbe Farbe und glühten regelrecht in der Dunkelheit.

Wer waren diese lebenden Toten, die mir offenbar ans Leder wollten? Irgendwie sahen sie aus wie die Golfliga des Satans. Tatsächlich, diese Zombie-Typen trugen schicke Peak-Perfomance-Sweater und waren mit Irons bewaffnet. Dunkle Flecken an den massiven Schlägerköpfen zeugten davon, daß die soliden Sportgeräte schon einige Schädel auf dem Gewissen hatten. Wahrscheinlich sollte meiner der nächste sein.

"Guten Abend!" wünschte ich den verrottenden Herren freundlich. Was hätte ich auch anderes sagen sollen?

Die Antwort kam umgehend - und zwar in Form aufgeregter, kehliger Laute, die unartikuliert aus faulig stinkenden Mäulern drangen. Das kollektive Knurren der Horde hatte nichts Menschliches an sich und hörte sich gefährlich nach einem Angriffssignal an.

In so einer mißlichen Lage hilft in der Regel eine paradoxe Intervention. Soviel zur Theorie. Die Praxis ist ein bißchen spritziger: "Wo geht´s denn hier nach London?" Kaum hatte ich´s gesagt, wirbelte mein Arm schon um den Hals des erstbesten Freaks. Ich drückte ihm mit aller Kraft die Kehle zu: "Zurück, sofort! Oder euer Freund ist hinüber!"

Die anderen erstarrten.

"Hören Sie auf!" Eine der dunklen Gestalten hatte sich aus dem Ring gelöst. Der Kerl war kleiner als die anderen. Seine Stimme klang wie eine Mischung aus Ozzy Osbourne und Blechkanister, was daran lag, daß er sich über eine Kehlkopfkanüle verständigte. Lustigerweise trug er eine Lucha-Libre-Maske. Mit der knallbunten Verkleidung auf dem Schädel sah er aus wie ein Ringer aus Südamerika. Befand ich mich etwa in dieser Weltgegend? Obwohl - das T-Shirt des Möchtegern-Wrestlers stammte ja eher aus Soho. Auf dem Brustteil prangte ein verwaschenes Motiv: DAMNED DAMNED DAMNED. Wie passend ...

Mit einer kurzen Handbewegung gab der Maskenmann seinen Monsterkollegen einen stummen Befehl. Sofort lösten die Orkus-Golfer den Ring um mich und traten einen Schritt zurück. Dann kam der mysteriöse Boß der Bande langsam auf mich zu: "Lassen Sie ihn los."

Ich lockerte kurz den Arm, worauf ein langgezogenes Keuchen wie aus einer defekten Vakuumpumpe ertönte. Damit war meine Kompromißbereitschaft aber auch schon ausreichend demonstriert. Ich fixierte ich die Kehle meiner Lebensversicherung gleich noch einmal im Schraubstock. Und diesmal sogar noch ein bißchen fester.

"Falls Sie´s noch nicht kapiert haben", ergriff der Lucha-Libre-Ringer erneut krächzend die Initiative, "wir haben Ihnen gerade das Leben gerettet."

Gerettet?! Mich?! Ich überlegte kurz, in welcher tödlichen Gefahr ich geschwebt haben konnte ... Aber die ganze Grübelei war sowieso für die Katz. Meine jüngste Vergangenheit versteckte sich konsequent hinter einem pechschwarzen Gedächtnisvorhang. Nun, vielleicht ließ sich ja jetzt ein wenig Licht in die Angelegenheit bringen: "Wo bin ich, wie komme ich hierher?"

Mr. Damned starrte mich überrascht an: "Das wissen Sie nicht?!"

"Sehe ich aus, als wären blöde Fragen mein Hobby?"

"Ich schlage vor, Sie initiieren Ihren Selbstfindungsprozess an einem gemütlicheren Ort", bröselte es hochgestochen aus der Kanüle.

"Nix da! Was läuft hier? Spucken Sie´s aus, sonst ist Ihr halbtoter Freund bald ein ganz toter!"

"Das halte ich für keine gute Idee."

"Haben Sie eine bessere?"

"Das hoffe ich, sonst haben wir nämlich alle ein Problem."

Fragend zog ich die Augenbrauen nach oben.

"Drehen Sie sich doch einmal um."

Ohne meinen Griff auch nur eine Sekunde zu lockern, wandte ich kurz den Kopf. In diesem Augenblick brachen schwarzgekleidete Figuren aus dem Zwielicht. Wer war denn das schon wieder?!

 

Ja, das fragen wir uns jetzt alle ... Sind halbverrottete Bobos in Golf-Designerlumpen nicht schon schlimm genug? Aber wenn man Kay Blanchard heißt, kommt es immer noch schlimmer. Zum Beispiel im nächsten Kapitel, von dem nur ein Stichwort verraten sei, das alle Pulp-Fans in die Buchhandlungen treiben wird: Ledernonnen!

r. evolver

r.evolver - Pol Pot Polka


EVOLVER BOOKS (Wien 2013)

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