Video_Blu-ray-/DVD-Tips 4/2014

Blaue Ruinen und heilige Berge

Es knallt, es kracht - und es wird esoterisch. Zücken Sie die Fernbedienungen und lehnen Sie sich für unsere Heimkinoempfehlungen gemütlich im Fernsehsessel zurück.    05.09.2014

Jürgen Fichtinger

Blue Ruin

ØØØØ

Import-Tip: USA

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(USA 2013/Region 1/Anchor Bay)

 

Manche Themen werden in fiktiver Verpackung einfach niemals langweilig. "Rache" gehört in all ihren Ausformungen dazu. Das hat sich auch Nachwuchsregisseur Jeremy Saulnier gedacht und für sein Projekt "Blue Ruin" kurzerhand eine Kickstarter-Kampagne gestartet. Und weil dort nicht nur Fanboys und -girls unterwegs sind, um Zach Braffs filmische Gehversuche zu unterstützen oder Veronica Mars auf die Leinwandsprünge zu helfen, ist glücklicherweise auch was daraus geworden. Ihre Premiere erlebte die erfrischende Revenge-Story 2013 in Cannes, wo sie auch gleich den FIPRESCI-Preis einstrich. Wer nicht darauf warten will, bis sich im deutschen Sprachraum endlich ein Label für die Veröffentlichung hergibt, greift am besten gleich zum US- oder in Kürze erscheinenden GB-Import.

 

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Quién sabe? - Töte Amigo

ØØØ 1/2

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(Italien 1966/Region 2/Koch Media)

 

50 Jahre ist es her, daß Großmeister Sergio Leone mit "Für eine Handvoll Dollar" den Italo-Western, wie wir ihn kennen und schätzen, aus der bleihaltigen Taufe hob. Im darauffolgenden Jahrzehnt kurbelten die Italiener einen Spaghetti-Cowboyfilm nach dem anderen ab. Obwohl beim Großteil der damals entstandenen Produktionen bestenfalls der deutsche Verleihtitel zu unterhalten wußte, sind dennoch einige wirklich sehenswerte Streifen entstanden. Einer davon ist Damiano Damianis Klassiker "Quién sabe?" alias "Töte Amigo" mit Gian Maria Volonté, Lou Castel und dem Mann, der aussieht wie "eine ausgekotzte Zwergpygmäe" (Zitat aus dem unsäglichen "Nobody ist der Größte", frei nach Rainer Brandt): Klaus Kinski.

Damianis in den Wirren der mexikanischen Revolution angesiedelter Film zählt zu den politisch angehauchten Vertretern des Genres. "Töte Amigo" ist zwar Leones "Duck, you Sucker!" handwerklich unterlegen, aber trotzdem der interessantere Film.

Die Neuveröffentlichung bietet ihn erstmals in vollständig restaurierter und synchronisierter Fassung, inklusive Interviews mit Damiani und Castel - und markiert gleichzeitig ein weiteres Jubiläum: "Töte Amigo" war einer der ersten Italo-Western, mit denen Koch Media 2004 ihr Programm starteten und seither auch konsequent weiterverfolgen. Ohne das Label sähe es für Genre-Freunde im deutschen Sprachraum düster aus.

 

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The Return of the First Avenger

ØØØ 1/2

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(USA 2014/Region 2/Disney)

 

Kommt es Ihnen auch so vor, als würde mittlerweile kein Monat ohne Marvel-Superhelden im Kino vergehen? Und wenn die Herrschaften in ihren Kostümen gerade nicht auf den Kinoleinwänden herumkraxeln, bereiten sie sich auf diverse anstehende TV-Auftritte vor ... ob in der eher halbseidenen Serie "Agents of S.H.I.E.L.D." oder den sich in unterschiedlichsten Phasen der Produktion-Piipeline befindlichen Serien "Daredevil", Luke Cage", "Jessica Jones", "Iron Fist" und "The Defenders". Dagegen läßt es DC Comics mit "The Flash", "Gotham" und einem nicht rauchenden "Constantine" eher gemütlich angehen.

Das zweite Abenteuer rund um den schildschwingenden Blondie "Captain America: The Winter Soldier" kann man sich trotzdem anschauen, ist es doch die gelungenste Marvel-Produktion seit "Iron Man". Hier fliegt endlich einmal nicht gleich in der ersten Viertelstunde eine halbe Stadt in die Luft, um das Interesse des Popcorn-mampfenden Publikums zu erwecken. Stattdessen orientierte sich das Regie-Duo Anthony und Joe Russo eher an den amerikanischen Verschwörungs-Thrillern der 70er Jahre und beschert ein kurzweiliges Abenteuer, bei dem man sich jetzt schon auf die für 2016 geplante Fortsetzung freut.

Leider gibt es diesmal keinen der "Marvel One-Shot"-Kurzfilme als Bonus, dafür einen soliden Audiokommentar.

 

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Der Heilige Berg

ØØØØ 1/2

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(Mexiko/USA 1973/Region 2/Bildstörung)

 

Wer die Jodorowsky-Retrospektive im Filmcasino verpaßt hat, darf aufatmen. Das deutsche Label Bildstörung hat die frühen Filme des Regisseurs als hervorragende Blu-ray-Kollektion herausgebracht. Die meisten der Streifen gab es zwar bereits seit vielen Jahren in brauchbarer Heimkino-Form als Importe, doch nun liegt endlich auch "The Holy Mountain" in ordentlicher Umsetzung vor. Die Filme des chilenischen Kultregisseurs muß man weder mögen noch verstehen - doch gesehen haben sollte man sie trotzdem.

Lesen Sie hier, was Thomas Fröhlich über Jodorowskys Filme zu sagen hat.

Die Blu-ray bietet neben exzellenter Bild- und Tonqualität und einem Regiekommentar auch die bereits seinerzeit auf dem fantoma-DVD-Release von "Fando y Lis" enthaltene Dokumentation "Die Konstellation Jodorowsky".

 

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Spetters - Limited Collector´s Edition

ØØØ 1/2

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(Holland 1980/Region 2/Koch Media)

 

Nachdem Hollywood sowohl "Total Recall" als auch "Robocop" als belanglose Remakes verwurstet hat, versucht der "Mad Dutchman" zur Zeit Philippe Djians Roman "Oh ..." fürs Kino umzusetzen. Man darf gar nicht erst darüber nachdenken, daß Verhoeven als einer der wenigen Blockbuster-Regisseure mit eigener Handschrift Probleme damit hat, Filmbudgets aufzustellen, während man im aktuellen Kino meist glattpolierte Produkte ohne Biß zu sehen bekommt. Oder daß sein absolut sehenswerter WWII-Thriller "Black Book" schon wieder acht Jahre zurückliegt. (Das amüsante Internet-Experiment "Tricked"  fand zwar unter seiner Ägide statt, ist aber kein "echter" Verhoeven.)

Garantiert kein Remake wird es von Verhoevens Frühwerk "Spetters" geben. Der Film handelt von einer Jugend-Clique im Motorcross-Milieu und brachte seinerzeit schon lange vor "Basic Instinct" diverse politisch korrekte Fraktionen auf die Barrikaden.

Die vorliegende Blu-ray-Edition begeistert nicht nur durch hervorragende Bild- und Tonqualität, sondern punktet in der Limited Edition auch mit neuen Interviews und einer ausführlichen Doku. Ebenfalls mit an Bord ist der Regiekommentar der alten US-DVD, der vom Unterhaltungs- und Informationswert leider nicht an die anderen Kommentare des holländischen Regisseurs heranreicht.

 

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Sabotage

ØØ 1/2

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(USA 2014/Region 2/Splendid)

 

Ein altes Sprichwort besagt, daß man dann aufhören soll, wenn´s am schönsten ist. Hätte sich die steirische Eiche bezüglich ihrer Hollywood-Karriere daran gehalten, dann wäre wohl nach "T2" oder spätestens "True Lies" Schluß gewesen. Stattdessen gab es einige mittelmäßige Action-Kracher, ein belangloses, aber kurzweiliges Terminator-Sequel, ein Gastspiel in der Politik und seither den Versuch, wieder Fuß beim Kinopublikum zu fassen. Leider können es Arnies bisherige Produktionen fernab der "Expendables" nicht einmal mit "Eraser" aufnehmen, und selbst der neueste Eintrag in die Reihe um die Altherrentruppe hat sich als charme- und zahnloses Debakel erwiesen, bei dem lediglich Mel Gibson eine gute Figur macht. Auch David Ayers "Sabotage" ändert nichts an Schwarzeneggers bisheriger Pechsträhne. In seinem unterkühlt inszenierten und mit reichlich Kunstblut versetzten Streifen serviert uns der Regisseur eine generische "Don´t fuck with the Cartel"-Story rund um eine DEA-Spezialeinheit mit Arnie an der Spitze. Und weil die Herrschaften einst seine Familie massakriert haben, will er Rache. Was am Ende dabei herauskommt, wollen wir Ihnen natürlich nicht verraten, aber Schwarzenegger hat in diesem Film eigentlich nichts verloren. Es sei denn, er hätte an alte John-Matrix-Zeiten angeknüpft. Bleibt zu hoffen, daß bei "Terminator: Genisys" oder "The Legend of Conan" ein Wunder geschieht und ihm endlich wieder jemand ein brauchbares Skript auf den rostigen Leib geschrieben hat. Henry Hobsons Zombie-Vehikel "Maggie" wird ihn jedenfalls auch nicht rausreißen.

 

 

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