Video_DVD-Tips 7/2008

Kommando Flimmerkiste

Kickende Pandas, sadomasochistisch veranlagte Kühe, anämische Blutsauger und Mika bei den Zombies. Wem das alles nicht gefällt, für den räumt Jason Statham gleich die ganze Bank aus.    12.12.2008

Jürgen Fichtinger

Bank Job

ØØØ 1/2

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(GB 2008/Region 2/Kinowelt)

 

Bevor sich Jason Statham demnächst ins dritte "Transporter"-Abenteuer stürzt und damit höchstwahrscheinlich recht sinnlose Hochglanz-Action abliefert, gönnen Sie sich lieber dieses auf wahren Begebenheiten basierende heist movie. Statham gibt darin den Gelegenheitsgauner Terry Leather, den eine verflossene Flamme zum Banküberfall des Jahrhunderts anstiftet (adiós, Ronnie Biggs!). Gemeinsam mit ein paar alten Schulfreunden gräbt er einen Tunnel direkt in den randvollen Tresorraum der Londoner Lloyds-Filiale. Dummerweise befinden sich in den dortigen Schließfächern nicht nur jede Menge Zaster und Juwelen, sondern auch zahlreiche verfängliche Schnappschüsse von britischen Regierungsbeamten und Promis sowie genaue Aufzeichnungen über Londons korrupte Exekutive. Und weil ein Hobby-Funker den Walkie-talkie-Verkehr zwischen Terry und seinen Jungs abhört, ist ihnen bald nicht nur die Polizei auf den Fersen, sondern auch noch der Geheimdienst und die halbe Unterwelt. Mit dem auf der "Baker Street Robbery" (auch bekannt als "walkie-talkie bank job") basierenden "Bank Job" liefert Regisseur Roger Donaldson ein charmantes Katz-und-Maus-Spiel, das neben zwei Stunden Unterhaltung auch noch eine ordentliche Portion Seventies-Chic bietet. Wer Genaueres über den echten Überfall wissen möchte, dem legen wir Donaldsons Regiekommentar ans Herz.

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Marquis

ØØØ 1/2

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(Belgien/F 1989/Region 2/Bildstörung)

 

Im selben Jahr, als uns Peter Jackson mit "Meet the Feebles" die schwarzhumorigen Schattenseiten des Muppets-Daseins offenbarte, und lange, bevor sich Henry Trotter mit Chris Waitt "Fur TV" ausdachte, entsprang Roland Topors frivolem Geiste dieses Kleinod: Gemeinsam mit Regisseur Henri Xhonneux erzählt er die Geschichte des Marquis, den man am Vorabend der Französischen Revolution wegen blasphemischer Schweinigeleien in der Bastille zwangskaserniert. Dort vertreibt er sich gemütlich die Zeit, indem er Gespräche mit seinem besten Freund Colin führt, über Gott und die Welt parliert und eigentlich nur schmutzige Geschichten schreiben will ... Doch eines Tages landet die fesche Justine in der Nachbarszelle, und er bekommt es mit politischen Intrigen, einem umtriebigen Priester und jeder Menge fragwürdiger Gestalten zu tun. Ach ja, was wir vielleicht noch erwähnen sollten: Der Marquis ist ein Cocker-Spaniel, Justine eine Kuh, Colin des Marquis primäres Geschlechtsmerkmal und das Ganze eine wunderbar skurrile Hommage an Herrn de Sade in Form eines Puppenfilms für Erwachsene.

Für die deutsche DVD-Auswertung hat sich das junge Label Bildstörung ordentlich ins Zeug gelegt und liefert auf der Bonus-Disc ein ausführliches Making-of, Multiple-Angle-Behind-the-Scenes und einige andere Kostbarkeiten. Endlich kann man alte VHS-Varianten guten Gewissens in den Müll schmeißen.

Sollten Sie mit Topors künstlerischem Schaffen nicht vertraut sein, bestellen Sie am besten gleich die großartige Fake-Autobiographie "Memoiren eines alten Arschlochs" mit und durchstöbern Sie die Antiquariate Ihres Vertrauens nach der Kurzgeschichtenanthologie "Der schönste Busen der Welt" oder das Melodram "Monsieur Laurents Baby".

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Dead Set

ØØØØ

Import-Tip: GB

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(GB 2008/Region 2/4dvd)

 

Daß die britische TV-Industrie auch heute noch Serienqualität unterschiedlichster Genres scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelt, zeigten Produktionen wie "Cracker", "The Office" oder "Dr. Who". Mit "Dead Set" bannte Zeppotron jetzt jedoch die erste Zombie-(Mini)-Serie auf den small screen. Und die ist trotz ihrer Ausgangsidee unbedingt sehenswert.

Was wäre, wenn während einer Staffel der (in Großbritannien immer noch recht populären) Reality-Soap "Big Brother" der Zombie-Wahnsinn ausbricht und die Hausbewohner nichts davon mitkriegen? In "Dead Set" haben wir es daraufhin mit einer gecasteten Gruppe möglichst inkompatibler Deppen, einem völlig durchgeknallten TV-Produzenten und einer verzweifelten Produktionsassistentin zu tun.

Kaum zu glauben, was die Briten da über die Bildschirme flackern ließen. Während die deutschsprachige TV-Industrie ihre Budgets für hirnrissige Gerichtsshows oder das schlechte Abkupfern längst aus der Mode gekommener US-Serienformate vergeudet, liefert "Dead Set" mit relativ einfachen Mitteln nicht nur 150 Minuten spannende Unterhaltung, sondern auch noch einen ordentlichen Schuß schwarzen Humor, Eingeweide und Mikas "Grace Kelly" in völlig neuem Kontext. Da fällt das Warten auf Romeros nächsten "Dead"-Beitrag oder "28 Months Later" gleich viel leichter.

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Lost Boys: The Tribe

Ø 1/2

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(USA 2008/Region 2/Warner)

 

Mehr als 21 Jahre mußten Fans der Richard-Donner-Produktion "The Lost Boys" darauf hoffen, daß Warner eine Fortsetzung des 80er-Jahre-Kultstreifens absegnen würden. Zahlreiche Drehbuchentwürfe waren über die Jahre in Auftrag gegeben und wieder verworfen worden; im verwichenen Jahr entschloß man sich schließlich zu einem Direct-to-DVD-Sequel, und das ist - wie erwartet - miserabel.

Regisseur Joel Schumacher lieferte 1987 ein Teen-Vampire-Movie ab, das die angestaubten Blutsauger mit Stil, Witz und Charme revitalisierte und zurück ins Bewußtsein der Popkultur katapultierte. Doch wo Kiefer Sutherland und seine compadres als lässige Halbstarke rüberkamen, beschert uns "Lost Boys: The Tribe" bloß einen Haufen uncharismatischer Proleten. Das miese Drehbuch, die schwachen Insider-Jokes und das Fehlen jeglichen Esprits erledigen den Rest. Selbst Hardcore-Fans sollten sich die Anschaffung ersparen und lieber zur Special Edition des Originals greifen.

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Fast Forward


Abgedreht

ØØØ

(USA 2008/Region 2/Senator)

 

Verspielte Videoclips, eine herrlich gemeine Studie des menschlichen Makels oder Tabula rasa in Liebesdingen - die filmische Welt von Regiekindskopf Michel Gondry ist immer wieder eine Reise wert. Sein bisher letzter Spielfilm "Be Kind Rewind" ganz besonders: Jack Black sorgt mit seiner Ausstrahlung dafür, daß sämtliche Tapes der Videothek von Mos Def ihren Inhalt verlieren. Um die Kundschaft weiterhin zufriedenzustellen, drehen die beiden Chaoten Klassiker wie "RoboCop", "Ghostbusters" oder "König der Löwen" einfach nach und liefern Amateurproduktionen mit Herz statt zielgruppengerechter Leere. Dem Publikum gefällt´s - und uns der seit kurzem auf DVD vorliegende "Director´s Cut" trotz kleinerer Schwächen ebenso.

 

Kung Fu Panda
ØØØØ

(USA 2008/Region 2/Paramount)

 

Der gemütliche Pandabär Po (noch einmal Jack Black) will nichts lieber sein als ein legendärer Martial-arts-Recke. Ein hochgestecktes Ziel - schließlich ist er nicht gerade der Agilste und soll außerdem das Nudelrestaurant seines Vaters übernehmen. Doch wie es der Gott aller Kinderfilm-/CGI-Märchen will, wählt ihn das Oberhaupt der heimischen Kampfkunstschule zum neuen Drachenkrieger, der das Land gegen den bösen Tai Lung (Ian McShane) verteidigen soll ... Der Schneeleopard hat es nämlich auf die legendäre Drachenrolle abgesehen, die ihrem Besitzer Unbesiegbarkeit verspricht. Kurzum: Niedlicher "Underbear" überwindet in bester "Karate Kid"-Manier alle Hindernisse, um am Schluß zu triumphieren.

Für gelungenes Family-Entertainment sorgen im Original nicht zuletzt die Stimmen von Dustin Hoffman, Angelina Jolie, Jackie Chan, Seth Rogen und Lucy Liu.

 

Eden Log

ØØØ

(F 2007/Region 2/Sunfilm)

 

Ein Mann erwacht orientierungslos und ohne Erinnerung in einer riesigen, dunklen Pfütze und findet sich in einer ihm völlig fremdartigen Umgebung wieder. Zwischen zahlreichen Rohren, Mechanismen und seltsamen Kreaturen muß er sich an die Oberfläche kämpfen und dabei seine Identität Stück für Stück aus seinem Unterbewußtsein freischaufeln. Der französische Regisseur Franck Vestiel inszenierte eine verschrobene SF-Geschichte, die den Zuschauer in eine schwarzweiße Welt zwischen Darren Aronofskys "Pi" und Vincenzo Natalis "Cube" schickt und bei deren Klettertouren man mehr als einmal an Shozin Fukuis "Rubber´s Lover" denken muß.

 

Bukarest Fleisch

ØØ

(D 2007/Region 2/Legend Home Entertainment)

 

Die junge Lara (Friedericke Kempter) erfährt vom Unfalltod ihrer Familie in Rumänien und macht sich prompt mit ihren Freunden auf die Reise. Im Ostblock angekommen, stellt sie fest, daß ihr Vater dort haufenweise genmanipuliertes Fleisch verkauft hat und die Leidtragenden Rache wollen ... Der von ein paar deutschen Filmschülern gedrehte "Bukarest Fleisch" offenbart sich als durchschnittlicher Horrorstreifen mit teilweise interessanten Ansätzen und den lächerlichsten mutierten Kreaturen seit langem. Schade drum.

 

Design 1 & 2

ØØØØ

(F 2007/Region 2/Absolut Medien)

 

Zum Abschluß noch ein wenig Bildung in Design-Fragen: Im Mittelpunkt dieser von ARTE produzierten Reihe stehen Stilobjekte, deren herausragende Gestaltung sie tatsächlich zu - entschuldigen Sie bitte die Phrase - zeitlosen Klassikern gemacht hat. So behandelt eine Episode beispielsweise Philippe Starcks Konzept-Sofa "Bubble Club" und geht dabei nicht nur auf die historischen Wurzeln des Sitzmöbels an sich ein, sondern auch auf das Herstellungsverfahren im Wandel der Zeit sowie andere designtechnisch wichtige Vertreter. Im Mittelpunkt weiterer Episoden stehen unter anderem das Citroën-Modell DS, der Bic-Kuli, die Concorde, die Vespa und der iMac.

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