Video_DVD-Tips 6/2008

From Swingers to Stingers

Robert Downey Jr. startet durch, Owen Wilson kassiert ein paar verdiente Ohrfeigen, und Ingrid Pitt bittet in der Steiermark zum Aderlaß. Wem das nicht gefällt, dem bleibt immer noch George A. Romeros Tagebuch ...    07.10.2008

Jürgen Fichtinger

Iron Man

ØØØØ

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(USA 2008/Region 2/Concorde Home Entertainment)

 

Tony Stark (Robert Downey Jr.) ist millionenschwerer Waffenproduzent, fescher Playboy und genialer Erfinder in Personalunion. Bei einer Produktpräsentation nehmen Terroristen den Lebemann gefangen und wollen ihn zwingen, ihnen eine seiner Jericho-Raketen zu basteln. Stattdessen hämmert sich Stark eine Hi-Tech-Ritterrüstung zusammen, röstet das unverschämte Gesindel und beschließt, in die Heimat zurückgekehrt, fortan nur mehr Gutes zu tun. Nur mit dem Widerwillen seiner Aktionäre hat der Iron Man nicht gerechnet ...

Daß Schauspieler/Regisseur Jon Favreau neben den Fans seiner Independent-Komödien auch das große Publikum erreichen kann, hat er bereits mit "Elf" gezeigt. Doch erst die Marvel-Verfilmung katapultierte das sympathische Schwergewicht in die Blockbuster-Liga und holte Robert Downey Jr. auch für die Massen aus der Vergessenheit zurück. Downey gibt den an Howard Hughes angelehnten Playboy Stark mit einer erfreulichen Leichtigkeit; Jeff Bridges spielt seine imposante Nemesis und Gwyneth Paltrow als "Pepper" Potts einen wahrhaft bezaubernden Sidekick. Ramin Djawadi sorgt dazu für stilgerechte Superheldenklänge - und Favreau vereint die Bemühungen aller Beteiligten in eine der erfreulichsten Comic-Verfilmungen der jüngeren Vergangenheit. Lesen Sie dazu auch unsere ausführliche Filmbesprechung.

Da kann die fiktive Welt rund um Christopher Nolans dunklen Ritter (no offense, Batman - das Sequel ist eh gelungen!) noch so halbseiden über ethische und moralische Grenzen grübeln - damit es auch morgen noch ein Publikum für Superhelden gibt, braucht es mehr Filme dieser Art. Angesichts der laufenden Produktionen aus dem Helden-in-Strumpfhosen-Genre stehen die Chancen dazu nicht schlecht. "Iron Man" erscheint übrigens gleich in zwei unterschiedlichen Versionen auf DVD: Während die Single-Variante die hierzulande gekürzte Kinofassung beinhaltet, bietet die Special Edition die Original-US-Version. Neben ein paar amüsanten deleted scenes beleuchten umfangreiche Featurettes auf der dazugehörigen Bonus-Disc den gesamten Produktionsprozeß.

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Diary of the Dead

ØØØ 1/2

Import-Tip: USA

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(USA 2007/Region 1 oder 2/Dimension Extreme oder Optimum)

 

Hierzulande weder regulär im Kino gezeigt noch in absehbarer Zeit als DVD-Veröffentlichung geplant, ist George A. Romeros bisher letzter Zombiefilm längst in Großbritannien und den USA erhältlich. In seinem "Diary of the Dead" läßt er die lebenden Toten erneut marschieren und konfrontiert eine Gruppe junger Filmstudenten mit den von Genrefreunden immer wieder gern gesehenen Monstern. Nach dem im Vergleich zur Originaltrilogie eher oberflächlichen "Land of the Dead" besann sich der Altmeister auf seine Wurzeln und lieferte diese Independent-Produktion. Gleichzeitig startet er die "Living Dead"-Reihe neu und läßt die ganze Geschichte noch einmal beginnen. Obwohl er sich dazu der zuletzt auch in "Cloverfield" und "Rec" benutzten POV-Perspektive bedient, gelingt ihm ein zwar schwaches Sequel, aber doch ein vielversprechender Neuanfang.

Seit ein paar Tagen steht Romero übrigens wieder hinter der Kamera und dreht den Nachfolger zu "Diary of the Dead". Bleibt nur zu hoffen, daß der bisher unbetitelte Streifen einen ähnlichen Evolutionsschritt für die neue Trilogie darstellen wird wie einst "Dawn of the Dead".

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Drillbit Taylor

ØØØ

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(USA 2008/Region 2/Paramount)

 

Die Geschichte von den armen kleinen Nerds, die von bösen Rüpeln in der Schule nach Strich und Faden drangsaliert werden, ist bestimmt nicht neu. Daß sich Ryan (Troy Gentile), Wade und Oosterhaus jedoch einen Bodyguard zulegen, ist zumindest eine amüsante Idee - zumal die Wahl der Kinder auf einen obdachlosen Taugenichts fällt. Drillbit Taylor (Owen Wilson) benötigt dringend ein wenig Kleingeld, um nach Kanada auswandern zu können, also mimt er auch bereitwillig den Leibwächter. Dabei versteht er von Personenschutz noch weniger als die drei Deppen von höherer Algebra. Statt ihnen zu helfen, wollen Drillbit und seine Straßenkumpels die Kids eigentlich bloß ausrauben ...

Was folgt, sind das erwartete Chaos, die üblichen Verwirrungen und ein unvermeidlicher Setzbaukastenschluß. Trotzdem sorgen die Drehbuchautoren Seth Rogen und Kristofor Brown für einige gelungene Lacher. Nicht selten wünscht man sich beim Zuschauen, daß die Produktion ohne PG-13-Rating auskommen hätte können. Wer Rogens loses Mundwerk kennt und das als Special Feature enthaltene Gespräch zwischen den beiden Autoren gehört hat, der weiß, daß ursprünglich eine weitaus deftigere Variante angedacht war. Fans der Judd-Apatow-Clique erwartet so oder so eine unterhaltsame, wenngleich jugendfreie Komödie für zwischendurch.

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Fast Forward


Die Autos, die Paris auffraßen

(Australien 1974/Region 2/Kinowelt)

 

Nicht nur Zwerge haben klein angefangen, sondern auch der australische Regisseur Peter Weir. Bevor er sein "Picknick am Valentinstag" veranstaltete, Richard Chamberlain "Die letzte Flut" an den Hals hetzte, Mel Gibson in "Gallipoli" durch die Schützengräben jagte und Herrn "Master & Commander" Russell Crowe bis ans Ende der Welt schickte, fabrizierte er dieses trashig anmutende Kleinod. Obwohl Weirs Spielfilmdebüt "The Cars That Ate Paris" rund um eine seltsame Kleinstadt und deren diabolische Boliden durchaus auch aus der Roger-Corman-Schmiede stammen könnte, trägt es die unverkennbare Handschrift des Regisseurs. Sehenswert.

 

Gruft der Vampire

(GB 1970/Region 2/Koch Media)

 

Mit der Veröffentlichung von "The Vampire Lovers" liegt nun endlich die komplette Karnstein-Trilogie aus den legendären Hammer-Studios auf DVD vor. Basierend auf Sheridan Le Fanus "Carmilla" dreht sich hier alles um finstere Vampirherren, leicht bekleidete Vampirdamen (darunter auch Ingrid Pitt) sowie Peter Cushing nebst diverser Dorfbevölkerung mittendrin. Wenngleich es die "Gruft der Vampire" spannungstechnisch nicht mit den "Twins of Evil" (Lesen Sie dazu den ausführlichen EVOLVER-Review) aufnehmen kann, gehört sie doch zu den Vorzeigeprodukten der britischen Horrorfilmfirma.

Interessantestes Extra: der Audiokommentar von Regisseur Roy Ward Baker, Drehbuchautor Tudor Gates und Madame Pitt.

 

Starship Troopers 3: Marauder

(USA 2008/Region 2/Sony)

 

Come on, you apes! You want to live forever? Wenn es nach Ed Neumeier und den Sony-Herrschaften geht, lautet die Antwort: ja. Trotz des katastrophalen Sequels aus dem Jahre 2004 hat man sich entschlossen, mit "Starship Troopers 3: Marauder" eine weitere eher nutzlose Direct-to-DVD-Fortsetzung zu produzieren und dafür Johnny-Rico-Darsteller Casper Van Dien wieder an Bord zu holen. Wieder einmal heißt es "Käfer gegen Menschen", dazu gibt es Verrat in den eigenen Reihen, etwas Religionskritik, neue Käfer und ... power suits!

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