Kino_Film-Tips Oktober 2015

Hexenjagd mit Diesel

Wenn der EVOLVER ins Kino geht, dann spukt´s. Ob es nun Satanssekten, Hexenzirkel in New York, Gespenster oder unheimliche angetraute Familien sind - in Hollywood weiß man mit solchen Dingen umzugehen, während deutschsprachige Produktionen sich in der üblichen "Aufarbeitung" vergangener Schrecken verlieren. Da reist man schon lieber zum Mars oder ins verkokste Grenzland zwischen Mexiko und den USA. Zumindest diesen Oktober.    07.10.2015

EVOLVER-Redaktion

Sicario

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Filmstart: 1. Oktober 2015

 

Mit dem weißen Marschierpulver lassen sich Milliarden verdienen - und das nicht erst seit vorgestern, sondern seit einigen Jahrzehnten. Und der größte Abnehmer des Kokains aus Südamerika sind die Vereinigten Staaten, wo sicher nicht nur Importeure und Dealer, sondern auch ein paar hohe Poltiiker und "ehrliche" Geschäftsmänner an dem Handel mitverdienen. Gleichzeitig inszenieren die USA aber seit geraumer Zeit ihren verlogenen "War on Drugs", der ebenso zum Scheitern verurteilt ist wie ihr "Krieg gegen den Terrorismus" - weil warum: Die sozialen Verhältnisse, die so viele Amerikaner zu den white lines (und dem nebenbei mitgelieferten Heroin, ein paar Tonnen Marihuana, Crystal Meth und anderen Delikatessen) greifen lassen, schaffen die Amis selbst; ebenso wie sie die bösen Terroristen finanzieren, ausbilden und mit Waffen ausstatten, bevor sie sie dann medienwirksam "bekämpfen" (bis Putin kommt und in ein paar Tagen mit dem Unsinn aufräumt ...)

So, jetzt haben Sie wieder was gelernt, lieber Leser. Bei "Sicario" wird Ihnen das ohnehin nicht gelingen, weil der Streifen von Regisseur Denis Villeneuve ("Prisoners", "Enemy") zwar eine actionreiche Geschichte von der aktuellen Front im Drogenkrieg - dem mörderischen Mexiko - behandelt, sich aber sonst strikt an amerikanische Kino-Erzählkonventionen hält: Idealistische FBI-Agentin (Emily Blunt) ermittelt an der gefährlichen Grenze zwischen USA und Mexiko; undurchsichtiger Regierungstyp (Josh Brolin) soll mit einer neuen CIA-Truppe "aufräumen" (als hätte die CIA nicht erst Vertriebswege etc. für das Gift geschaffen); mutiger kolumbianischer Staatsanwalt und Mitstreiter (Benicio del Toro) hat wenig moralische Bedenken, weil er sich an den Drogenbossen rächen will. Was dabei herauskommt, überzeugt als Thriller durchaus, ist spannend inszeniert und gut gespielt - kann aber in Sachen Aufklärungsfunktion nicht mit den Polit-Thrillern der guten alten Seventies mithalten.

Wer ein bißchen mehr über die historischen Hintergründe erfahren will, sollte sich die neue Netflix-Serie "Narcos" anschauen, die den Werdegang des kolumbianischen Kokainkaisers Pablo Escobar dramatisiert und nacherzählt. Wie mittlerweile üblich, hat der Sender die zehn Folgen der ersten Staffel für "Binge-Watcher" auf einmal geliefert - und war zudem mutig genug, große Teile der Dialoge in spanischer Sprache zu belassen. Nichts für Untertitel-Gegner also, aber ein Fest für all jene, die wissen, daß TV-Serien Kinofilme nach wie vor in den Schatten stellen.  (ph)

 

 

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Regression

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Filmstart: 1. Oktober 2015

 

"The Others"-Regisseur Alejandro Amenábar kehrt zu seinen Wurzeln zurück: Nach Ausflügen ins Historienschinken- ("Agora") und ins Melodramenfach ("Das Meer in mir") inszenierte er jetzt, wenn auch in Hollywood, wieder einen vergleichsweise kleinen, relativ subtilen Horrorfilm. Zugegeben, das Thema "Satanssekte" und auf Unglauben stoßende Ermittlungen gegen "paranormale" Phänomene ist nicht mehr ganz taufrisch - und auch schreckliche Alpträume, die sich erst hinterher als solche erweisen, hat man im Kino bereits des öfteren gesehen. Aber Amenábar weiß immerhin, wie man düstere Grusel-Atmo erzeugt und prominente Damen (hier: Emma Watson) gegen ihren Typ besetzt. Die ganze bizarre Geschichte soll sich im Minnesota der 1990er Jahre wirklich zugetragen haben; doch auch wer das nicht wirklich glaubt, kann an der simplen, aber grundsoliden Gruselstory sein harmloses Kinovergnügen haben.  HL

 


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It Follows

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Filmstart: 9. Oktober 2015

 

"It Follows" ist über weite Strecken ein klassischer Horrorfilm, der ästhetisch an die amerikanischen Slasher-Streifen der 1970er Jahre angelehnt ist. Lesen Sie, was Michael Kienzl in seinem Cannes-Rückblick darüber zu sagen hat.

 

 

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The Martian

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Filmstart: 9. Oktober 2015

 

Sie wollen Matt Damon nicht 130 Minuten lang dabei zuschauen, wie er quer über den Mars hatscht/rovert? An sich ein verständlicher Wunsch - vor allem, wenn man bedenkt, wie enttäuschend die meisten Mars-Filme der vergangenen paar Jahrzehnte waren. Aber hier lohnt es sich doch, das Risiko einzugehen: "The Martian" wurde nämlich von Ridley Scott inszeniert, und der kann zwar auch einiges falsch machen, ist aber dabei immer noch besser als die meisten seiner Kollegen. Nach dem erfolgreichen SF-Roman "Der Marsianer" von Andy Weir drehte Ridley diesen Streifen um eine Raumfahrtmission mit Lebensgefahr, ganz im Geiste von "Gravity" und "Apollo 13", der nun den traurigen deutschen Titel "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" trägt. Besagter Watney (Damon) ist ein Botaniker, der zusammen mit einer NASA-Crew den Roten Planeten erforschen soll. Als dort jedoch ein gewaltiger Sturm ausbricht, drängt der Kommandant zum sofortigen Aufbruch aus dem Astronauten-Habitat und läßt den bereits für tot gehaltenen Watney zurück. Als der sich dann in Houston meldet, startet die NASA eine gewagte Rettungsaktion - und der gestrandete Marsianer hat vier Jahre Zeit, die 3.000 Kilometer bis zum Abholpunkt zurückzulegen.

Routiniert gemacht, mit guter Besetzung (neben Damon spielen u. a. Jessica Chastain, Jeff Daniels, Kristen Wiig und Sean Bean auf) und weit entfernt von allen Klischees über den unbezähmbaren "human spirit". Scotts Film erinnert uns alle daran, was am Weltraumprogramm einst so spannend war ...  (ph)

 

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Der Staat gegen Fritz Bauer

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 Filmstart: 9. Oktober 2015

 

Es war die letzte Filmrolle von Gert Voss: Im deutschen Polit-Film "Im Labyrinth des Schweigens" spielte er vergangenes Jahr den engagierten Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der im Mief der Nachkriegszeit die Auschwitzprozesse vorantrieb und durchsetzte. Voss machte das ganz zurückgenommen; die Kraft der Figur entwickelte sich aus unbeirrbarer Ruhe. Jetzt kommt ein weiterer Film über Bauer ins Kino - und siehe da: Aus dem souveränen Justizmann ist ein strubbelhaariger Zausel geworden, kettenrauchend, fintenreich und schwul. Burghart Klaußner gibt den Staatsanwalt jetzt und kommt damit, wie man einem Originalfilm im Prolog entnehmen kann, dem wahren Fritz Bauer ungleich näher. Auch sonst ist Regisseur Lars Kraume ("Die kommenden Tage") hier eine spannende, nuancenreiche Studie über die galaxisferne Adenauerzeit gelungen. Hier geht es nicht mehr um die "Bewältigung" der Vergangenheit, sondern bereits um die Bewältigung der damaligen Nicht-Bewältigung. Knüppel nach Knüppel werfen die eigenen Beamten dem eigenwilligen Gerechtigkeitssucher vor die Füße, bis der sogar illegal und heimlich mit dem israelischen Mossad zusammenarbeiten muß, um Adolf Eichmanns habhaft zu werden. Auch wer die Thematik zu kennen glaubt, sollte sich diese Geschichtsstunde nicht entgehen lassen - so unkonventionell wurden Nazis schon lang nicht mehr gejagt.  HL

 

Crimson Peak

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 Filmstart: 15. Oktober 2015

 

Spukhausfilme erleben in letzter Zeit eine Renaissance - vom ziemlich brauchbaren "Insidious"-Franchise bis zum mißlungenen "Poltergeist"-Remake. Viele B- und C-Produktionen machen es sich da zu einfach: die suchen sich eine verlassene Fabrik oder Irrenanstalt, schicken eine Bande verblödeter Teenager in die Ruine, verfolgen - eventuell sogar mit der schrecklichen Wackelkamera - deren Abstieg in den (immer noch verblödeten) Horror und bieten dem Zuseher Gespenstereffekte, daß ihm aus den falschen Gründen das Gruseln kommt. Da ist es schon vernünftig, wenn man Guillermo del Toro einen solchen Stoff filmisch umsetzen läßt. Schließlich hat der Mann Stil, kann Stimmung vermitteln und bietet aufgrund seiner Pulp/Gothic-Obsession optische Schauwerte, die auch ein Tim Burton mittlerweile vermissen läßt.

Mit "Crimson Peak" ist wieder eines von del Toros langgehegten Traumprojekten Wirklichkeit geworden. Der Film spielt zur vorvorigen Jahrhundertwende und beginnt wie eine Gruftie-Romanze: Die junge Autorin Edith Cushing (Mia "Alice" Wasikowska) lernt nach einer Familientragödie einen charmanten Sir (Tom "Loki" Hiddleston) kennen, ehelicht ihn und zieht mit ihm in sein viktorianisches Düsteranwesen. Dort lauert nicht nur die äußerst schräge Schwester (Jessica Chastain) des neuen Angetrauten, sondern es gibt auch jede Menge dunkle Geheimnisse, Geister und verschlossene Türen. Und auch der Landadelige erweist sich als ein Mann mit - milde ausgedrückt - tiefen Abgründen. Zwei Stunden lang pure Atmosphäre und sehr sehenswert.  (ph)

 

 

The Last Witchhunter

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Filmstart: 22. Oktober 2015

 

Ja, natürlich ist das Schwachsinn ... und es ist auch schade, daß bei diesem Projekt nicht, wie ursprünglich geplant, Timur Bekmambetov Regie führte, sondern Breck Eisner (der mit "The Crazies" aber auch schon beweisen konnte, was er draufhat). Aber die Prämisse ist unschlagbar trashig, und deswegen wird man als Fan nicht um den Streifen herumkommen: Vin Diesel als unsterblicher Hexenjäger mit den coolsten Moves und der tiefsten Stimme, der im modernen New York einen bösen Hexenzirkel stoppen muß, um das wie üblich größte Unheil von der Welt abzuwenden. Und Elijah Wood ist ebenso dabei wie der große Michael Caine, der sich hier wieder ein bissl was zur Pension dazuverdient. Wie man sagt: Es soll nix Schlimmeres passieren. Viel Spaß dabei!  (ph)

 

 

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