Kino_Film-Tips Oktober 2014

Unter die Haut

Ein Alien-Vamp auf mörderischer Reise durch England, der klassische Vampir als besorgter Familienvater, ein Ehepaar im Land der Psychotrips - und der König aller Western-Regisseure: Der Blockbuster-Sommer ist endlich vorbei.    04.10.2014

EVOLVER-Redaktion

Dracula Untold

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Filmstart: 2. Oktober

 

Man sollte ja nicht glauben, daß es noch irgendeine Geschichte über den König der Vampire gibt, die bisher - in unzähligen Filmen, Büchern, Comics, Hörspielen, Fernsehserien - nicht erzählt wurde. Aber wenn Universal seine Monsters auferstehen lassen will, lohnt es sich trotzdem, der origin story des blutdürstigen Grafen ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken (und die vertrottelten Vampirromanzen der letzten paar Jahre einfach zu vergessen). Kurz und gut: Es geht um Vlad Tepes, einen freundlichen Herrscher aus dem 14. Jahrhundert, der wegen seiner liebsten Hinrichtungsmethode den Spitznamen "der Pfähler" erhielt und in der Walachei wirkte - im Film ist es Transsilvanien, aber historische Korrektheit braucht man sich hier sowieso nicht zu erwarten. "Dracula Untold" zeigt ja auch einen etwas zu hübschen Hübschling, der nur seine Heimat und seine Familie verteidigen will; als dann ein übler Sultan kommt, der dem Woiwoden ganz in biblischer Manier seinen Erstgeborenen als Tribut abverlangt, kann der junge Vlad einfach nicht anders, als im Tausch für Stärke und Unverwundbarkeit seine Seele zu verkaufen. Und fortan ist er halt der erste Vampir, der nicht sterben kann und dem stets der Sinn nach Menschenblut steht. Da haben wir´s: Der alte Dracula ist nur ein Opfer der Umstände ... Doch das darf man alles nicht zu ernst nehmen, sondern sollte lieber die pseudohistorischen Kostüme, die SFX und die Stunts genießen. Mehr ist da nicht dran - just another franchise. (ph)

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Under the Skin

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Filmstart: 3. Oktober 2014

 

Weil er angeblich in kein vermarktbares Schema passe, bringt die deutsche Senator Film "Under the Skin" gleich gar nicht ins Kino. Allein über diese Begründung - die Bände spricht über die momentane Verleihlandschaft zwischen anonymen Blockbustern und kaum weniger öden "Feel-Good-Movies" für die Golden Agers - müßte man eigentlich ganze Abhandlungen schreiben, so schmerzhaft geht einem da das Geimpfte auf. Erfreulicherweise hievt das Wiener Gartenbaukino diesen in der Tat einzigartigen Science-Fiction-Horror knapp vor dem DVD-Start wenigstens eine Woche lang auf die große Leinwand. Und dort gehört sie auch hin, die Studie über eine von Scarlett Johansson stoisch gespielte mysteriöse Außerirdische, die sich junge Engländer serienweise auf eine Art einverleibt, die man im Kino noch nie gesehen hat. Zugegeben, manches (etwa die abstrakte Pre-Title-Sequenz) wirkt ein wenig prätentiös, doch in Summe gelang dem englischen Regie-Exzentriker Jonathan Glazer ("Sexy Beast") hier ein experimenteller Thriller, der noch am ehesten an David Bowie als "Mann, der vom Himmel fiel" denken läßt und der - das Wortspiel liegt leider zu nahe - wirklich unter die Haut geht. Ich bringe diesen Film jedenfalls, seit ich ihn gesehen habe, nicht mehr aus dem Kopf. (HL)

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Gone Girl

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Filmstart: 3. Oktober 2014

 

Daß Ehen und andere Beziehungen die Hölle sein können, ist bekannt. Aber das ist es auch gar nicht, worum es in David Finchers neuem Film geht - obwohl die üblichen Halbgebildeten aus der Kritikerbranche es gern so hätten. In Wahrheit handelt die Romanverfilmung "Gone Girl" von Manipulation, ob zwischenmenschlich oder über und vor allem durch die Medien. Und davon, daß man in der heutigen Zeit am ehesten als Psycho- beziehungsweise Soziopath Erfolg hat, Karriere macht und mit jeder Schweinerei durchkommt. Der Plot beginnt täuschend einfach (Ehefrau verschwindet am fünften Hochzeitstag, alles weist auf ein Verbrechen hin, Ehemann wird wegen seines stupiden Benehmens von Medien und Nachbarn vorverurteilt), entwickelt sich dann jedoch zum Psychothriller mit jeder Menge überraschender Wendungen, von Fincher (nach seinem verzeihlichen Kinoausflug zum Internet-Deppentreff Facebook) wie üblich kühl und gekonnt inszeniert, und gipfelt in einem Unhappy-End, das man gesehen haben muß. Ben Affleck und Rosamund Pike überzeugen als Paar, das mit aufrechtzuerhaltenden Fassaden jongliert - und der Zuseher kann sich nach der Comic-/Action-/Fantasy-Überdosis des Kinojahrs endlich wieder über einen intelligenten Film freuen. (ph)

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Annabelle

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Filmstart: 10. Oktober 2014

 

Alles muß schneller gehen, immer schneller ... James Wans gelungener Spukhaus-Horrorfilm "The Conjuring - Die Heimsuchung" lief erst 2013 erfolgreich im Kino, da war auch schon die Fortsetzung beschlossene Sache. Und bis die auf der Leinwand zu sehen ist, schießt man halt in aller Eile noch ein Prequel/Spin-off nach: "Annabelle" erzählt die Vorgeschichte der unheimlichen Puppe, die im Gruselerfolg zu sehen war. Kurz und banal: Junges Ehepaar erwartet ein Kind, kauft bereits vor dessen Geburt heftig Spielzeug fürs Kinderzimmer, unter anderem auch das Sammlerstück Annabelle; satanistische Sekte überfällt das Haus - und (buhu!) seither ist die Puppe von einem bösen Dämon besessen. Der von John R. Leonetti (bisher durch Sequels wie "Mortal Kombat 2" und "Butterfly Effect 2" eher wenig aufgefallen) scheint den Streifen recht lustlos heruntergekurbelt zu haben, die Darsteller sind hölzerner, als es eine Puppe je sein könnte, und der Filmfreund ist mit dem guten alten "Dolls" von Stuart Gordon immer noch viel besser bedient. (ph)

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Retrospektive John Ford

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16. Oktober bis 30. November 2014 im Wiener Filmmuseum

 

"To me it was alway a job of work - which I enjoyed immensely - and that´s it." Er hat es nicht nur genossen, er war auch einer der Meister seines Fachs. John Ford zählt zu Recht zu den wichtigsten amerikanischen Filmemachern. Auch wenn der grumpy old man für die Autorentheorie nicht viel übrig hatte, trägt ein Großteil seiner mehr als 100 Regiearbeiten seine unverkennbare Handschrift. Das Wiener Filmmuseum widmet dem Mann, der den klassischen Western wie kein anderer prägte, den Duke zum Star machte und darüber hinaus ein äußerst ereignisreiches Leben führte (nachzulesen u. a. in Joseph McBrides "Searching for John Ford") eine umfangreiche Retrospektive. Neben "Stagecoach", "The Quiet Man" und natürlich "The Man Who Shot Liberty Valance" gibt es auch Peter Bogdanovichs "Directed by John Ford" zu sehen.

PS: Daß das Western-Genre allen Unkenrufen zum Trotz nicht totzukriegen ist, darf man derzeit übrigens in Kristian Levrings "The Salvation" und im Dezember in Tommy Lee Jones´ "The Homesman" nachprüfen.

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Zwei Tage, eine Nacht

(Deux jours, une nuit )

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Filmstart: 31. Oktober 2014

 

Die Handkamera klebt von der ersten Sekunde lang den Darstellern nah am Kopf, die Figuren sind bis zur kleinsten Charge so authentisch besetzt, daß man an Dokumentarisches glauben möchte, und das Thema ist von drängender sozialer Brisanz. Es ist also alles wie immer bei den belgischen Regiebrüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne ("Rosetta", "Das Kind", "Der Junge mit dem Fahrrad") - und doch läßt dieser ihr jüngster Film seltsam kalt. Woran es liegt, ist schwer zu sagen. Vermutlich nicht an der (zu?) prominenten Hauptdarstellerin Marion Cotillard ("Der Geschmack von Rost und Knochen"), die sich hier als entlassene Arbeiterin die Seele aus dem Leib spielt. Eher schon an der dramaturgischen Grundkonstellation, die wirkt wie auf dem Reißbrett entworfen: Die Entlassene hat die titelgebende Frist, um ihre Exkollegen davon zu überzeugen, zu ihren Gunsten auf eine von der Werksleitung zugesagte Prämie zu verzichten. Das mag im "realen" Leben sogar vorkommen, als Prämisse für filmische Sozialkritik ist mir das einfach ZU aufgelegt: Neuer Egoismus gegen alte Klassensolidarität, das ginge als verfremdetes Brechtsches Lehrstück durch, nicht aber als Quasi-Alltagsstudie. Better luck next time!  (HL)

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