Kino_Film-Tips März 2015

Kinder und andere Helden

Südafrikanische Blechbüchsen wecken wehmütige Erinnerungen an Nummer 5. Arbeitslose Waldviertler werden zum Glück nicht durch die Seidlsche Mangel gedreht. Und Matthew Vaughn rettet den höchst lauwarmen Kinomonat März.    03.03.2015

EVOLVER-Redaktion

Chappie

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Filmstart: 6. März

 

"District 9" war super. "Elysium" ging noch an. Aber "Chappie", der dritte Film des südafrikanischen Genre-Hoffnungsträgers Neill Blomkamp, geht leider voll in die Hose. Die wirre Story beginnt wie ein weiteres "Robocop"-Remake und biegt dann ab in eine Roboterkomödie, die an Niedlichkeit jede Disney-Produktion unterbietet. In einer nahen Zukunftswelt, in der die Polizeigewalt an mechanisierte Cops ausgelagert wird, entführt eine Straßengang den titelgebenden Blechmann, weil sie ihn für ihre Raubzüge einsetzen will. Mit dieser Bande beginnt auch schon eines der unzähligen Probleme der Produktion: Erst wird sie als unsympathische Sammlung von Freaks eingeführt, später gewinnt man die skurrilen Typen allmählich lieb, und just dann wird - Achtung, Spoiler! - ein Gangmitglied in einer blutigen Splatter-Szene ums Leben gebracht, die dem angestrebten heiteren Familiengrundton brüllend widerspricht. Hier paßt einfach nichts zusammen. Das Konzept widerspricht dem Script, der "realistische" Inszenierungsstil dem Komödiengestus, und das ganze konfuse Gemisch ist außerdem so lärmend wie langweilig. Aber klingt nicht schon der Filmtitel eher nach Hundefutter ...?  (HL)

 

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Kingsman: The Secret Service

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Filmstart: 13. März

 

Es ist A. unbestreitbar, daß Mark Millar einer der besten derzeit lebenden Comic-Autoren ist (aber halt nicht der beste ... da verweisen wir doch lieber auf Warren Ellis, Alan Moore etc.); B. eine Tatsache, daß Millar jede Menge "Franchises" - bei DC, bei Marvel und anderswo - auf dem Markt hat, die er mittlerweile in typischer und beispielloser Selbstüberschätzung zu einem eigenen "Millarverse" ausgerufen hat; und C. leider auch völliig klar, daß es seit Jahren im Kino praktisch nur mehr knallbunte, laute Comic-Verfilmungen (oder tödlich langweilige, gemurmelte Indies) gibt und sich die wahren Sensationen, die mit den besseren Schauspielern und Regisseuren, sowieso im Fernsehen abspielen.

Aber das ist eine andere Geschichte, und wir haben es hier mit einem Kinofilm zu tun. "Kingsman: The Secret Service" ist nach einem - von Anfang an auf Verfilmung hingeschriebenen - Comic von Millar entstanden und wurde von Matthew Vaughn ("Kick-Ass" 1 & 2, zwei "X-Men"-Streifen, demnächst "Fantastic Four" - und noch dazu mit Claudia Schiffer verheiratet!) inszeniert. Da auch Millar in Hollywood längst fest im Sattel sitzt, kann man davon ausgehen, daß die beiden wissen, was sie tun und wie sie das Multiplex-Publikum faszinieren müssen. "Kingsman" ist die Story eines jungen Menschen von der Straße (Taron Egerton), der vom besten, coolsten britischen Agenten der Gegenwart (untypisch besetzt, aber gut: Colin Firth) für begabt gehalten und daher zum Superspion ausgebildet wird. Natürlich gibt es auch einen Gegenspieler mit irren globalistischen Ambitionen, und natürlich spielt den Samuel L. Jackson ... gähn!

Was nicht heißen soll, daß "Kingsman" nicht amüsant wäre - weit gefehlt: Die Action-Szenen sind großartig, die Bond-Zitate witzig, die Fälle absurd. Nur der Plot ist halt super-postmodern und erinnert doch sehr an "Wanted" - was daran liegt, daß Millar halt ein one-trick pony ist und die Hollywood-Anzüge sowieso immer nur das wollen, was sie schon kennen. "Kingsman" ist somit ein Film geworden, den man im Kino sieht und ein paar Stunden danach, spätestens beim Ansehen der nächsten intelligenten TV-Serie, wieder vergessen haben wird.  (ph)

 

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Über die Jahre

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Filmstart: 20. März

 

Okay, es gibt aufregendere Sujets als Arbeitslose aus dem Waldviertel. Aber der Film, den Nikolaus Geyrhalter da in einer Langzeitproduktion von mehr als zehn Jahren ("Boyhood" läßt grüßen!) gedreht hat, erwischt einen doch umso intensiver, je länger er dauert. Es beginnt mit Momentaufnahmen aus einer Textilfabrik, der in absehbarer Kürze das Aus droht - und schon die Szene, in der eine Arbeiterin Stoffwindeln zusammenlegt und die aus dem Off kommende Frage, ob dafür ein Auftrag vorläge, mit der Bemerkung beantwortet, nein, das sei Reserve, bricht einem fast das Herz. Dabei ist dies keineswegs nur ein sozialer tearjerker, im Gegenteil: Die resolute Lebensklugheit, mit der die plötzlich arbeitslos gewordenen Waldviertler ihre Situation meistern, hat etwas Mitreißendes, auch wenn sich im Lauf der zehn Jahre, die der Film sie begleitet, immer wieder berufliche und private Tragödien ereignen. Geyrhalter bannt dies so behutsam wie zurückhaltend auf die Leinwand. Einer der Protagonisten sammelt Volkslied-Aufnahmen, erst auf Cassetten, dann auf CDs, und man will sich gar nicht ausmalen, wie Ulrich Seidl den Mann ins Bild gerückt hätte: voll auf Mittelachse in einer starren Einstellung, zu der ein Schlager in ganzer Länge abgespielt worden wäre. Geyrhalters Ästhetik ist das genaue Gegenteil davon - und man lernt, dies zu schätzen.  (HL)

 

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Seventh Son

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Filmstart: 5. März

 

Und was tut sich sonst so in Hollywood? Genau: Märchen sind wieder angesagt. Während Kenneth Branagh sich des alten "Cinderella"-Themas (bei uns sagt man Aschenputtel) in einer Realverfilmung angenommen hat, die diesen Monat ebenfalls in unseren Kinos anläuft, ist "The Seventh Son" die Kinoumsetzung eines Young-Adult-Romans. In der geht es, wie das in Märchen so üblich ist, um den siebenten Sohn eines siebenten Sohns, der zum Schüler des uralten Geisterjägers oder "Spook" John Gregory (Jeff "The Dude" Bridges) werden darf/muß/soll. Besagter Spook hat vor langer Zeit die böse Hexe Mutter Malkin (Julianne Moore) in eine unbequeme Kammer eingesperrt hat, aber weil die jetzt den Oscar als beste Hauptdarstellerin kassiert hat, kommt sie wieder frei und ... oje, falscher Film! Aber eigentlich auch egal. Weil: Hexe will sich an der Menschheit rächen, siebenter Sohn muß daher ganz schnell ausgebildet sein, Welt soll bitteschön gerettet werden. Und wenn der Film nicht seine beiden erwachsenen Hauptdarsteller hätte, wäre er wohl so öde wie der Arthouse-Valium-Streifen "Der Mongole", den Regisseur Sergei Wladimirowitsch Bodrow 2007 inszeniert hat. Ziemlich langweilig ist er trotzdem noch.  (ph)

 


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