Video_DVD-Tips 2/2009

Gefühle aus der Dose

Ein kleiner Roboter lehrt uns Lebensfreude, ein Krokodil das Fürchten und ein Pärchen die Liebe - sogar pornographisch angehaucht. Weiters an Bord: britische Gangster und Vigilanten, amerikanische Monsterjäger sowie jede Menge Serienkost. Ab auf die Couch!    02.03.2009

Jürgen Fichtinger

WALL-E (2-Disc Special Edition)

ØØØØ 1/2

Leserbewertung: (bewerten)

(USA 2008/Region 2/Disney/Pixar)

 

In der Zukunft: Die Menschheit hat es endlich geschafft und den Planeten ruiniert. Die geplante Säuberungsaktion ist fehlgeschlagen, nur noch der Roboter-Müllmann WALL-E weilt auf der Erde. Wenn er nicht gerade "Hello, Dolly!" schaut und von der Liebe träumt, räumt er brav den Dreck weg. Als eines Tages ein Raumschiff landet und die schicke weiße Roboterdame EVE zu Forschungszwecken zurückläßt, kehrt WALL-E seine emotionale Seite hervor - und sieht bald mehr vom Universum, als ihm lieb ist. Wer hätte gedacht, daß das niedlichste Pärchen seit "Susi und Strolchi" ein paar Schrauben locker hat? (Lesen Sie dazu unsere ausführliche Kino-Rezension.)

Was sich die Pixar-Crew da ausgedacht hat, gehört mit Sicherheit zum Besten, was die Mannschaft rund um Steve Jobs, Ed Catmull und John Lasseter seit "Das große Krabbeln" produziert hat.

Das gilt auch für die DVD-Extras: Andrew Stanton liefert einen gelungenen Regiekommentar, in dem er auf Inspirationen, den Herstellungsprozeß und Änderungen in letzter Minute eingeht. Eine knapp 20minütige Featurette ist Sound-Design-Pionier Ben Burtt gewidmet, der immerhin schon George Lucas´ Original-"Star Wars"-Trilogie akustisches Leben einhauchte. Ebenfalls an Bord von Disc 1: die Kurzfilme "Presto" und "BURN-E" (letzterer ist mehr parallele Mini-Nebenhandlung).

Wer es ganz genau wissen will, sollte zur Special Edition greifen: Das umfangreiche Bonusmaterial der zweiten Disc ist in "familienfreundlich" und "für Film-Fans" untereilt und somit auch für Erwachsene sehenswert. Das Highlight: "Die Pixar Story", eine Dokumentation in Spielfilmlänge.

Links:

Transatlantisches Serienfieber

Import-Tip: USA


Wem die derzeitigen Lückenfüller im TV-Programm zum Halse raushängen, der deckt sich am besten mit etwas Qualität aus dem Land der Couch-potatoes ein: Während die Abenteuer des teuflischen Vollstreckers wider Willen in Reaper (mit Ray Wise als Höllenfürst; DVD von Lions Gate) seit vergangenem Sommer auch im deutschen TV laufen, steht für Chuck (DVD von Warner) leider noch kein Sendetermin fest. Die von McG produzierte Serie ist aber überraschenderweise erstaunlich witzig. Alles dreht sich darin um den Technik-Nerd Chuck (Zachary Levi), in dessen Gehirn sich sämtliche Geheimnisse der amerikanischen Regierungsbehörden in Form komplizierter Bilder-Codes einbrennen. Als Konsequenz bewachen ihn ein kaltschnäuziger NSA-Agent (Adam Baldwin aus "Firefly") und eine mörderische CIA-Blondine (Yvonne Strahovski), die zwecks Tarnung gleich noch seine Freundin gibt. Die Abenteuer, die der gestreßte Angestellte fortan mit den beiden erlebt, gehören mit Sicherheit zum Amüsantesten, was das Genre der Agentenserie derzeit - abgesehen von J. J. Abrams "Fringe" - zu bieten hat. Die vier Lieblingsworte: "Stay in the car!"

Ortswechsel nach Hollywood. Dort laviert sich Schönling Vincent Chase mit seiner Entourage in der gleichnamigen HBO-Produktion seit 2004 durch das Haifischbecken der Filmindustrie. Ob er mit James Cameron "Aquaman" dreht, mit Paul Haggis versucht, den "Scarface" des 21. Jahrhunderts auf die Beine zu stellen oder es sich mit dem Warner-Boß verscherzt: Wer sich für den Irrsinn der Traumfabrik und der dazugehörigen Bussi-Bussi-Gesellschaft sowie die obligaten Hinterfotzigkeiten interessiert, kommt voll auf seine Kosten. Schade, daß "Action" kein ähnlicher Erfolg beschieden war.

Zum Abschluß hängen wir uns noch in den Hals hinein bzw. reißen uns ein Stückchen raus: Mitte Mai wird die erste Staffel von Allan Balls HBO-Blutsauger-Soap True Blood erscheinen. Sollten Sie sich für vampiristische Familienprobleme in den tiefsten Südstaaten interessieren, greifen Sie zu.

Links:

Black Water

ØØØØ

Leserbewertung: (bewerten)

(Australien 2007/Region 2/Legend)

 

Gracie unternimmt mit ihrem Ehemann Adam und dem jungen Schwesterchen einen Abenteuerausflug per Boot. Doch die vermeintlich geruhsame Flußfahrt wird zum Höllentrip, als sie den Weg eines fiesen Krokodils kreuzen. Die eher banal klingende Story entwickelt sich dank gelungenem Drehbuch und straighter Inszenierung von David Nerlich und Andrew Traucki zu einem der spannendsten Genrevertreter seit langem. Da wirkt Greg "Head on a stick" McLeans im selben Jahr entstandener "Rogue" im Vergleich wie eine zahme Schildkröte.

Links:

Zack and Miri Make a Porno (2-Disc Edition)

ØØØ 1/2

Import-Tip: USA

Leserbewertung: (bewerten)

(USA 2008/Region 1/Weinstein Company)

 

Wir kennen sie alle aus Film, Fernsehen oder gar dem 1st life: die Geschichte von der uralten Bub/Mäderl-Freundschaft, hinter deren harmonischer Koexistenz nach Plato sich die Liebe verbirgt. Was jedoch herauskommt, wenn sich der einstige King of Slacker-Movies, Kevin Smith ("Mallrats, "Clerks", "Chasing Amy"), dieser Story annimmt, das gab es zumindest im deutschsprachigen Raum noch nie in den Kinos zu sehen. Dabei ist "Zack and Miri Make a Porno" mit Sicherheit eine der amüsantesten Variationen der Thematik seit langem.

Das liegt einerseits an der Ausgangsidee: Um sich finanziell über Wasser zu halten und weil es mit den Gelegenheits-Jobs nicht so hinhaut, beschließt man, einen Porno zu drehen. (Wir sagen nur: "Star Whores" ...) Andererseits lohnt sich Smiths Entscheidung, sich der Schauspiel-Crew rund um Judd Apatow zu bedienen. Mit Seth Rogen, Elizabeth Banks, einigen anderen bekannten Gesichtern und dem dazugehörigen Wortwitz kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Dank eines soliden Drehbuchs passiert das auch nicht; abgesehen von einem Smithschen Banal-Gag bietet Zack und Miris Romanze neben herrlicher Situationskomik und den üblichen One-liners zuckersüße Unterhaltung mit dem richtigen Maß an Substanz. Apropos Substanz: Pineapple Express heißt das Kraut, das sich Seth Rogen (again!) und James Franco in der gleichnamigen Apatow-Produktion ins Hirn jagen. Einen versehentlich beobachteten Mord später haben sie haufenweise Gangster am Hals und Gary Cole (der Sheriff aus "American Gothic") als Gegenspieler. Das Ergebnis ist - sofern man mit diesen Herrschaften etwas anfangen kann - auch witzig, kann aber mit den Pornomachern nicht mithalten. Franco und Rogen zum ersten Mal seit "Freaks and Geeks" wieder vereint zu sehen, tut trotzdem gut.

Links:

Fast Forward


Outlaw

ØØ1/2

(GB 2007/Region 2/Senator)

 

Der britische Soldat Bryant (Sean Bean) kehrt aus dem Irak zurück. Statt in der Heimat untätig herumzusitzen, will er lieber einem zusammengewürfelten Loser-Haufen Selbstbewußtsein beibringen. Und weil bekanntlich immer eines zum anderen führt, kümmert sich die Truppe bald um Verbrecher, denen das Gesetz nicht beikommt, und wandelt auf Charlie Bronsons Spuren. Leider versinkt die von Nick Love ("The Football Factory") inszenierte Chose rasch in belangloser Mittelmäßigkeit. Vielleicht hätte er das Drehbuch doch nicht selbst schreiben sollen ...

 

Jack Brooks Monster Slayer

ØØ1/2 (für Die-Hard-Genre-Fans: ØØØ)

(USA 2007/Region 2/Highlight)

 

Ein Highschool-Klempner muß es mit höllischen Kreaturen und Robert Englund als Besessenem aufnehmen. Die blutige Komödie war einer DER Festival-Hits, das Sequel ist bereits in Arbeit, und das Cover weckt wehmütige Erinnerungen an Sam Raimis unsterblichen Ash-Charakter ("Evil Dead 4", anyone?). Leider hilft die liebevolle Inszenierung nicht über das schwache Drehbuch hinweg; ausleihen reicht also. Hoffen wir, daß die Fortsetzung besser hinhaut.

 

Gangster Nr. 1

ØØØØ

(GB 2000/Region 2/Senator)

 

Bevor wir´s vergessen: Paul McGuigans lange Zeit vergriffene Geschichte vom Aufstieg eines Gangsters - mit Malcom McDowell als richtig ungutem Vorzeige-Soziopathen - ist endlich wieder auf DVD erhältlich. Die Junior-Ausgabe McDowells verkörpert Paul Bettany, der den "Schlächter von Mayfair" (David Thewlis) auf seinem Weg vom Laufburschen zum leader of the crime-pack vom Thron stoßen muß. Lesen Sie dazu unseren Review von 2001.

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