Kino_Film-Tips Juli/August 2015

Was zum Teufel!

Wenn einem soviel Hitze widerfährt, ist das den Besuch im Kino wert. Abgesehen von den allerorts abgefeierten Blockbustern (Marvel, Saurier, Terminator etc. pp.) verirren sich auch noch Exorzisten, verliebte Westernhelden und professionelle Mörder auf die sommerliche Leinwand. Mit mehr oder weniger gutem Erfolg ...    12.08.2015

EVOLVER-Redaktion

The Vatican Tapes

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Filmstart: 30. Juli

 

Seit dem legendären (und in seinem Subgenre immer noch unschlagbaren) Film "Der Exorzist" haben wir uns nicht nur damit abgefunden, daß es kirchlich beamtete Teufelstreiber nach wie vor gibt - sondern nach und nach schleicht sich auch in immer breiteren (und dümmeren) Bevölkerungskreisen wieder die Meinung ein, daß deren Wirken legitim ist. Manchmal geht es halt nicht anders, manchmal ist jemand wirklich vom Satan oder dessen Dämonen besessen, manchmal muß man eben einen Exorzisten zu Hilfe holen. Die katholische und vom Vatikan abgesegnete Methode, Menschen von ihrem abweichenden Verhalten zu befreien, ist zwar etwa so fragwürdig wie die Psychoanalyse, die Elektrokrampftherapie (so sagt man heute zu den guten alten Elektroschocks) oder das "Niederpulverln" in heutigen Nervenheilanstalten - aber fürs Kino doch um einiges spektakulärer und daher besser geeignet.

Merke also: Die Opfer der Besessenheit sind manchmal Kinder, manchmal auch junge Erwachsene, aber fast durchwegs weiblich. Das dürfte ebenfalls dem wirklichen Leben entnommen sein; satanische Buben setzen sich wesentlich leichter durch und erlangen wie in "Das Omen" oder den USA die Weltherrschaft. Das Böse manifestiert sich in allerlei Formen, vom ordinären Reden in den unterschiedlichsten, gern auch toten Sprachen (harmlos) über Kopfrotieren und grünen Schleim (obskur, unhygienisch) bis zum Herbeiführen tödlicher Unfälle in der näheren Umgebung. Da spritzt das Blut, da kommt der Kameramann, da freut sich das Publikum der Exorzistenfilme immer wieder gern.

Der neue Genrebeitrag "The Vatican Tapes" ist eindeutig ein B-Movie - aber das muß ja nichts Schlechtes sein, wie wir wissen. Leider erhielt Regisseur Mark Neveldine aber aus der Produktionsetage den Auftrag, einen jugendfreien Streifen ("PG-13" im Land der Freiheit) abzuliefern, und das ist einem Horrorfilm, von dem man mit Fug und Recht Blut & Beuschel, Schocks und nackte Haut erwarten darf, nicht unbedingt zuträglich. Die Geschichte um die junge Blondine Angela (Olivia Dudley), die nach diversen seltsamen Phänomenen ins Koma fällt, nach Abschaltung der medizinischen Geräte plötzlich wieder zum Leben erwacht und dann noch seltsamer und bedrohlicher für ihre Umwelt wird, ist in der ersten Hälfte zu langsam erzählt, wenn auch recht gut gespielt. Erst als endlich der Pfarrer die beiden Austreibungsspezialisten aus Rom aktiviert hat und sie ihrem Gegenspieler aus der Hölle - einer "nie dagewesenen satanischen Bedrohung", jaja, eh klar - gegenüberstehen, nimmt die Sache Fahrt auf. Aber da sehnt man sich schon nach dem Original-"Exorzisten" und seinen Fortsetzungen. Somit ist "The Vatican Tapes" eher etwas für die bildungsfernen, ahnungslosen Generationen, die sich Filme aus dem vorigen Jahrtausend prinzipiell nicht anschauen ... Oida.  (ph)

 

 

Links:

Slow West

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Filmstart: 31. Juli

 

Von allen neueren Versuchen, dem totgesagten Western-Genre neues Leben einzuhauchen, ist dies einer der geglücktesten. Vielleicht liegt es daran, daß hier fast lauter Nicht-Amerikaner am Werk waren: Der Regisseur (John Maclean) ist Schotte, gedreht wurde in Neuseeland, und die beiden Hauptdarsteller kommen aus Australien (Kodi Smit-McPhee) und Irland (Michael Fassbender). Nur die Story ist uramerikanisch: Erfahrener Haudegen mit undurchsichtiger Vergangenheit begleitet junges Greenhorn auf einem langen Ritt zu seiner fernen Geliebten. Man kennt solche Konstellationen aus zahllosen US-Western, von "The Tin Star" ("Stern des Gesetzes") bis herauf zu "The Homesman", der vergangenes Jahr bei der Viennale lief. Auch im  Italowestern finden sich derartige Geschichten, am schönsten vielleicht in Tonino Valeriis "Der Tod ritt dienstags" mit Giuliano Gemma und Lee van Cleef als ungleichem Paar. "Slow West" variiert das alte Thema mit neuem, unbefangenem Schwung. Es gibt jede Menge skurriler Randfiguren, bedrohlich umkippende Situationen - und sogar für Rückblenden, die die Liebesgeschichte des jungen Mannes aufrollen, ist in den knappen 84 Minuten Laufzeit noch Platz. Einziger Einwand: Manche Tableaus sind um einen Tick zu "schön" gebaut, zu kunstvoll arrangiert. Doch das sollte niemanden davon abhalten, sich diesen wunderschönen Neo-Western zu vergönnen. Go for it!  (HL)

 

 

Hitman: Agent 47

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Filmstart: 28. August

 

Wann wird man endlich von der Idee abkommen, Computerspiele verfilmen zu wollen - nur weil sie eine "property" sind, aus der man vielleicht einmal ein "franchise" machen könnte? Die Interaktivität von Games läßt sich nun einmal nicht auf die Leinwand übertragen; deshalb werden Fans immer das Gefühl haben, bei der Verfilmung zu kurz zu kommen, während Uneingeweihte sich fragen, was denn das bitte alles soll.

Nächste Frage: Wozu deutsch-amerikanische Koproduktionen? Damit man Humorlosigkeit mit profitorientierter Phantasielosigkeit zusammenbringen kann? Oder weil der Deutsche einfach gern gehorcht?

Regisseur Aleksander Bach, bisher nur als Werbefilmer (un)bekannt, tat jedenfalls, wie ihm geheißen, und brachte die Story um den namenlosen, aus irgendeiner Genfabrik stammenden Profikiller mit dem Strichcode im Nacken ein zweites Mal ins Kino. Daß der erste Versuch ("Hitman – Jeder stirbt alleine") trotz des sympathischen und begabten Hauptdarstellers Timothy Oliphant 2007 spektakulär gefloppt ist, interessierte niemanden. Daß der Plot alles andere als die perfide-tödlichen Schleichaktionen aus den Spielen vermittelt, sondern ein zweites Mal eine Origin-Story um Herkunft und Hintergründe des Killers erzählen will, schien niemandem etwas denkfaul. Daß der für die Hauptrolle ausersehene Paul Walker bei einem Unfall starb, kam keinem wie ein schlechtes Omen vor.

Man engagierte statt ihm einfach Rupert ("Homeland") Friend und schor ihm das Haupthaar, stellte ihm Hannah Ware als prospektives Opfer an die Seite, ließ Zachary (Spock/Sylar) Quinto einen noch Böseren spielen, brachte irgendwie auch Thomas Kretschmann und Ciarán Hinds noch unter - und drehte die Sache ab. Im Sommer ist es eh heiß, da sind die jungen Leute heilfroh, wenn sie im klimatisierten Kino auf ihre Smartphones einhämmern können, ohne daß ihnen irgendein Profi lautlos eine Schnur um den Hals legt.  (ph)

 

 

Kommentare_

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rupsi - 13.12.2015 : 13.49
vatican tapes ist im gegensatz zu deliver us from evil eine entäuschung. schade.

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