Kolumnen_Al Cook im EVOLVER #16

In eigener Sache

Der EVOLVER veröffentlicht die Kolumne, die der heimische Blues-Traditionalist Al Cook jahrelang für eine heimische Website schrieb, auf seinen Seiten neu - nicht nur, damit die Texte nicht verloren gehen, sondern weil sie so gut sind. In der 16. Episode seiner Ausführungen beginnt Cook über seine Diskographie zu berichten und erklärt der geneigten Leserschaft, warum er sie genau so und nicht anders gestalten wird.

   15.06.2020

Liebe Bluesfreunde und seiende oder werdende Al-Cook-Fans!

 

Mein lieber Freund und Förderer Busy Tom hat mich gebeten, eine Diskographie meiner erschienenen Tonträger zu erstellen - und etliche Leser meiner Homepage meinten, ich hätte während meiner 37jährigen Tätigkeit als Bluesmusiker sicher eine ganze Menge erlebt. Hinter dieser Bitte steht immer öfter der Wunsch, sozusagen "Die ganze Wahrheit über Al Cook"  in einer Biographie zu veröffentlichen.

Seid getröstet, ich schreibe schon daran. Nur möchte ich sie erst nach meinem 60. Geburtstag veröffentlichen, da ich dann sozusagen Pensionist bin und es mir egal sein kann, ob man mich nachher noch auftreten läßt, denn ich muß einigen "Spezis" auf den Schlips treten und habe mich anscheinend schon jetzt durch mein kritisches Gemüt bei manchen ins schiefe Licht gesetzt. Die Biographie wurde nicht banal "Al Cook Story" genannt, sondern ich verpaßte ihr einen aussagekräftigeren Titel, nämlich "Kein Platz für Johnny B. Goode", und hoffe, daß ich einen Verlag finde, falls ich die vier Jahre bis zu meinem Abtreten noch schaffe, weil die Zeiten verdammt hart geworden sind für Menschen, die zu sich stehen. [Anm. d. Red.: Die Autobiographie von Al Cook ist mittlerweile erschienen - die EVOLVER-Rezension finden Sie bei den Links weiter unten.]

 

Da ich kein Typ bin, der sich mit dem Auflisten von Plattentiteln und Konzertreferenzen begnügt, will ich meine Diskographie folgender Art gestalten:

 

1. die Umstände beschreiben, die zur Produktion des rezensierten Tonträgers führten, sowie die Reaktionen und die Bedeutung in späterer Zeit;

2. den Studiobetrieb und die technischen Probleme bezüglich Fertigstellung und Präsentation ausleuchten;

3. zum ersten Mal in meiner 31jährigen "Plattenkarriere" die Songtexte samt deren Bedeutung und in voller Länge veröffentlichen. Damit wird auch wirklich jedem Hörer und Konsumenten meiner Tonträger bewußt, daß ich nicht bloß irgendwelche zusammengereimten Texte dahersinge, sondern jeder Platte oder CD ein aktuelles Konzept zugrundeliegt, das ich zur Zeit der Produktion künstlerisch vertrat. An dieser Konzeption hat sich bis heute nichts verändert - und auch meine im Herbst 2001 erschienene CD "The Country Blues" ist ein wohldurchdachtes Album. Der Unterschied zu meinen vorherigen Produktionen ist aber der, daß ich punkto Kompromißlosigkeit im Begriff bin, das Dach der Welt zu erklimmen. Da mir seit meinem letzten Hitversuch "Addie Lee" (Wolf CD 120.969, "Down in Boogie Alley") klar geworden ist, daß man auch mitreißender Bluesmusik in den Medien keine Chance gibt, drehte ich den Spieß um und griff voll in den archaischen Topf, denn das kann ich am besten und dort bin ich zu Hause. Die Beschreibung meines zu erwartenden Produkts ist auf meiner Website nachzulesen.

4. Aufgrund diverser Erfahrungen werde ich es mir erlauben, noch einen "Leitfaden für Kritiker" herauszugeben, da die meisten Musik- und Kunstkritiker es oft und oft nicht der Mühe wert finden, sich mit den Kriterien auseinanderzusetzen, denen Künstler und Kunstwerk unterliegen.

Im Falle authentischer Bluesmusik heißt das: Man sollte wenigstens ein paar Tage Abstinenz von Techno und Top 40 üben und sich bei Kerzenlicht dem zu rezensierenden Tonträger hingeben sowie bei Präsentationen auch jenseits des Brötchenfressens dem eigentlichen Anlaß ein wenig Beachtung zollen.

Auch hat der Kritiker die Pflicht, seine Tagesverfassung nicht zur öffentlichen Meinung zu stilisieren, da er durch seine mediale Machtstellung - wenn man es so sehen will - nicht nur gegenüber der oft unbedarften Öffentlichkeit, sondern auch für den Künstler eine große Verantwortung zu übernehmen hat. Der Begriff der Kritik setzt den des "Kriteriums" voraus, und Kriterien können nur durch fundierte Sachkenntnis gesetzt werden.

 

Ich hoffe, daß ich mit den nächsten Folgen meiner Artikelserie all jenen, die gern mehr über meine künstlerische Seite erfahren wollen, zu Diensten sein kann. Ich gebe jedoch zu bedenken, daß ich mir Unterbrechungen aus aktuellen Anlässen - wie z. B. John Lee Hookers Ableben - gestatten muß.

 

Weiters muß ich aber auch bemerken, daß sich die Anzahl der E-Mails ziemlich in Grenzen hält. Zwei vorangegangene Folgen meiner Kolumne ("Der Blues - Stiefkind der Musikgeschichte" und "Heimat, bist du großer Blueser") gehen auch unserer heimische Szene etwas an, denn wenn wir uns weiter in hinduistischem Fatalismus üben und der Öffentlichkeit nicht geschlossen zeigen, wer wir sind, wird uns die Pop- und Musikantenstadelkacke bald über dem Kopf zusammenschlagen. Ich bitte also um Vorschläge, was getan werden könnte, da mir in meinem Elfenbeinturm die Luft langsam zu abgestanden wird.

 

Okay, das war´s wieder für heute. Das nächste Mal geht es mit meiner ersten, am 11. November 1970 erschienenen LP "Working Man Blues" los.

 

 

The Blues never dies,

 

Euer

Al Cook

Al Cook im EVOLVER


Unverfälscht, traditionsbewußt und weitab vom Kommerz-, Radio- und Social-Media-Mainstream: So wie Al Cook Musik macht, schreibt er auch - und zwar exklusiv im EVOLVER. Lesen Sie hier seine sehr persönliche Einführung in die Welt des authentischen Blues-Genres und seiner Position im populärkulturellen Musikgeschehen.

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